13/5 Lishan 2007 梨山碳培 - Duft der Holzkohle

Stephan rief mich morgens an und fragte, ob ich mich gerade von Pfingsten erholen musste. Erholen von Feiertagen? Nein, ich arbeitete über die Feiertage. Freizeit? Ich habe keine Freizeit. Ich mache das gerne, was ich mache. Eigentlich habe ich nur Freizeit.

Das Leben meines Lehrers in Taipei bestehe nur aus Freizeit, behauptete seine Frau auf der gemeinsamen Reise nach Mingjian. Ich war nicht sicher, ob sie sich über ihn beklagte.

Auf der Reise hatten wir einen wunderschönen Tee, der mir unbekannt war und deswegen noch spannender schmeckte. Sein Name wurde nicht verraten. Ich weiß immer mehr, dass es viele versteckte Geheimnisse des Tees in diesem Menschen gibt. Er erzählte es nicht und ich musste es auch nicht ansprechen. Ich sagte ihn, "Oh, ich schmeckte Honig, Blumenwiese und Hochlandsluft! Aber die Holznote ist so dominant, war es ein Fehler!" "Nein, nein. Das ist Holzkohle-Geschmack!" er schmunzelte. "Eigentlich ist er mein privater Tee! Unverkäuflich!" Selten findet man solch Material aus Lishan - Qingxin Oolong von Insekten befallen! Das ganze wurde noch an einem sonnigen Tag gepfückt und verarbeitet! "Solche Dinge darf man im Leben nicht verpassen." sagte er am Steuer, "Irgendwann muss Du so weit sein, wenn Du einen Tee trifft, weiss Du, was aus ihm werden kann. Dann behandelst Du ihn entsprechend." Er behandelt ihn entsprechend dirket über glühende Holzkohle über 120 Grade! Er bat mir, ihn aufzubewahren, seine Reife zu erleben.

"Mein Mann hat nur Freizeit," erzählte seine Frau mir, "er ist ansonsten so lahm. Nur wenn er mit Tee und Photographieren zu tun hat, ist er wieder ein Mensch." Er brauche keine Freizeit, weil er immer frei sei. Sein Ruhm und Bekanntheit bringe ihr nichts, weil er diese Welt spielend durchquere. Sie verdient ihr Geld, zog den Sohn auf und sah zu, wie er in der Teewelt sich frei spielend bewegt, wie ein Narr.

Ich hörte plötzlich den Ryokan (ein japanischer Dichter) leise singend:

"Spielend, ja spielend,

Durchquere ich diese fließende Welt...

Ist es da nicht gut, die bösen Träume anderer Menschen zu zerstreuen?"

Er und ich hörten ihr zu und schwiegen. Den Tee wurde immer wieder serviert - von ihr. Sie interessiert sich nicht für die Namen des Tees, nur für diesen Tee, den er für sie macht. "Einen guten Tee." sagte sie. Süss wie honig, elegant wie die Höhe des Berges und holzig wie der Duft des feuchten Tannenwalds. Diese Kombination ist einzigartig. Ich hätte nie gedacht, so etwas zu begegnen.

Als ich zum ersten Mal seine Frau sah, konnte ich nicht fassen, wieso eine so schöne Stadtdame mit einem "Bauersohn" verheiratet sein kann! Diese Kombination war mir geheimnisvoll. "Er dachte, dass ich in ihn verliebt sei, weil ich ihm gegenüber immer sehr freundlich war - dabei war es meine Erziehung." Als sie zum ersten Mal mit seiner Schwester Mingjian besuchte, war sie verliebt in diesem Ort, sagte sie. Er war ein guter Fremdenführer. "Ich sehe ihn so gerne hier. In Taipei bleibt er wegen mir und unserem Kind. Aber er ist hier sich selbst." Sie lächelte wieder und zeigte mir das alte Haus, wo sie ihre Hochzeit verbrachten. Ein typisches Formosa-Haus, wie das von meiner Großmutter auf dem Pamelo-Garten aus roten Backstein und roten Ziegel. Die Sonne schien.

Das alte Haus in Mingjian

Während wir in Mingjian unterwegs waren und beschäftigt hin und her rannten, sass sie geduldig im Wohnzimmer von Aming und wartete. "Langweilst Du Dich nicht?" fragte ich mit einem schlechten Gewissen. "Nein, ich bin glücklich." das erzählte eine wartende Frau? Sie wartete, weil er das tat, was er gerne machte. Sie strahlte Ruhe und Zufriedenheit aus bei einem Tassen von Insekten befallenden Lishan 2007, der auf Holzkohle behandelt war. Ein Tee, eigentlich schwer zu verstehen ist. Süss, elegant aber holzig. Nach Karamel, nach Blüte, nach Kardamon und nach Waldholderbeeren (die leichte anfängliche Duftnote von Waldholder) oder nach Muskat. Zugänglich und abweisend zugleich. Wer will schon so eine komische Kombination probieren, wenn man einen richtigen Hochlandsoolong Lishan hat? Ich verstand ihn nicht wirklich, wollte unbedingt welchen mitnehmen. Weil ich dachte, dass ich auf ihn warten kann und ihn auch verstehen könnte. Vielleicht erst in paar Jahren.

Als Jörg aus Frankfurt kam, als Jürg und Carola zum Essen waren, als Romeo vor seiner Abreise mich besuchte, waren sie alle entzückt von dieser Kombination. Eigentlich habe ich nur für mich gekauft um auf ihn zu warten und für die Besucher aus der Ferne aufgegossen ohne ein Gedanke zu haben. Sie wollten unbedingt ein bisschen von ihm. Ein bisschen von meinem seltsamen Lehrer, der spielend in dieser Welt mit Tee durchquert. Oder ein bisschen von dieser liebvolle sonderbaren Kombination...

Nachtrag: dieser Tee hat vier "Extreme (Raritäten)": die höchte Lage des Teeanbaus auf Formosa - 2600 M.ü.M.; von Fruchtfliege befallenen Blätter, die sonst aussortiert werden. Denn es erschwert die Herstellung, diese Art von Blätter zu verarbeiten; einen sonnigen Tag im Hochlandgebirge im Oktober 2007; Übers Holzkohle geröstet von einem von den "besten" Tee-Önologen auf Formosa.

13/5 Teeschüler

Als sie mir schrieb, dass sie ein Teeschüler werden möchte, war ich richtig überrascht. Ich bin weder Lehrer noch Meister. Eigentlich bin ich nur ein einfacher Tee-Verkäufer. Ich schrieb Ihr, dass ich hier bin und ihr eigentlich nichts zeigen könnte. Als sie die Distanz zwischen Nordsee und Zürichsee überwand, war ich richtig beeindruckt. Der Nordwind trieb sie an diesen Platz zwischen den Bergen. Wozu?

Sie meinte, die Langsamkeit des Lebens im Tee entdeckt zu haben. Sie möchte, sich in die Langsamkeit zu vertiefen. Vielleicht gibt es wirklich einen geheimen Garten in uns, einen ruhenden Punkt, wo üppige Blumen durch unsere Pflege wachsen können und von dort aus die stets bewegende Welt betrachten zu können. Tee ist weder Oase noch Tresor, er ist nur aus Blätter von einer fremden Pflanzen, an welche wir glauben, uns ein Gefühl vom diesen verborgenen Ort wieder vermitteln zu können.

Das Pendeln zwischen Hamburg und Zürich tut sie wegen einem ganz tollen Mann. Das Lernen über Tee tut sie für sich selbst. Ich nickte und verstand es sehr wohl. Ihr schenkte ich einen Sijichun ein, dessen Duft uns beide sofort in die Welt der Alice verschlug. Einen leicht zugänglichen Tee, meinte ich. Dann ein Gangkou Cha 2002 - ein Tee, der schwieriger zu verstehen ist. Die Vielschichtigkeit dieses Tees erschrak sie nicht. Sie mochte ihn. Leicht salzig, leicht sauer und fruchtig. Das Süße am Abgang gibt einen vieles nachzudenken. Ihre Augen waren verschlossen und sie war bereits von der Welle des Tee übers Ozean getrieben. Palmen, Sonne und der Ruf des Meeres auf Formosa.

Was war denn mit meiner Suche? Über den Brief von Detlef kam ich zu Nojiri Sensei (Lehrer afu Japanisch). Es war nicht schwer. Ein Flug nach Brüssel hat den Anfang geebnet, nur das Ertragen von dem ständigen mühsamem Knien und von dem schonungslosen Tadeln des Senseis waren die eigentliche Herausforderung. Ich weiß eigentlich immer, wo ich die Sensei finden kann und weiß, dass ein Stück meines Gartens wieder sichtbar wird – durch sie.

Der Weg, zu meinem Lehrer, der mir die Sprache des Tee unterrichtet, war kurvenreicher. Ihn zu suchen passierte ich an vielen Höhlen von Scharlatanen vorbei. Die so genannten Meister, die mir die Freiheit wegnahmen, mich für welchen Weg selbst zu entscheiden. Die so genannten Weisen, die sich um Schüler werben und seinen Geschmack für den einzig wahren werben und autorisieren. Als es endlich so weit kam, bin ich ihm begegnet. Mir goss er eine Reihe Tees auf und fragte mich, was ich wahrnahm. Ich gab ihm meine Antwort und er schmiss den Löffel auf den Tisch: „Bei wem hast Du es gelernt?“ „Nein, nur Bücher gelesen.“ Dann nickte er seinen Kopf, „Gut, Du hast Sense, ich kann Dir es beibringen.“ Er wollte allerdings nicht, dass ich Leute aus Ausland zu ihm mitnehme, weil es ihn Komplikation schaffe. Ich hätte gerne bei ihm gelebt wie die frühere Zeit, einem Meister zu folgen und die Welt zu erforschen. Anfang letzer Woche trafen viele wunderbare Phönix Muster ein. Als unlösbare Fragen in mir aufstiegen, spürte ich, wie sehr ich seine Hand vermisste. Vor zwei Stunde erzählte ich ihm, wie sehr er mir doch fehlt. Er lachte auf der anderen Seite der Telefonleitung„ Du muss Dich doch endlich richtig entwickeln, meisterhaft zu werden!“ „Du muss mich in der Zukunft noch mehr tadeln.“ „ Wie könnte ich Dich denn nur tadeln?“ seufzte er.

Das Tadeln vom Lehrer wird im hiesigen kulturellen Kontext oft missverstanden - natürlich gibt es unterschiedliche Art von Tadeln, viele sind einfach nur aus Emotion, die eine andere erzeugt. Wer will schon getadelt werden und andere Menschen tadeln, von denen man dadurch eine negative Projektion bekommt? Ich spüre hinter dem Tadeln meiner Lehrer oft eine Art von wahrer Liebe, die eigentlich nur die Entwicklung des anderen wünscht. Ich schaffe so etwas nicht und bleibe lieber als Teeschüler und als ein einfacher Tee-Verkäufer. Wer will schon Verantwortung für einen fremden Menschen übernehmen, der besser weiß, was er will?

Die Zeit rann davon. Ihr gab ich paar Bücher. Eine Rückgabe war mir nicht wichtig. Auch ein Gangkou Cha sollte ihr begleiten auf den Weg zwischen Nordsee und Zürichsee.

09/5 Wie muss ein Gyokuro schmecken?

Oft wird es beschwert, dass der japanische grüne Tee fischig und spinatartig schmeckt. Im meinen Seminar giesse ich gerne zwei Gyokuro auf, die Teilnehmer zeigen sollen, wie ich unter einen guten Gyokuro verstehe. Dann wurde ich mehrmals konfrontiert, dass "mein" Gyokuro eigentlich nicht nach der gewöhnlichen Vorstellung des Gyokuro schmeckt, sondern das andere "schlechte" Beispiel.

Ein Gyokuro, der nach dem Aufguss bald trüb wird, ist ein fehlerhaft hergestellter grüner Tee. Wenn das Erhitzen problemlos und ausreichend verläuft, darf er gar nicht trüb werden. Er wird trüb erst nach minutenlangen ziehen. Ein Gyokuro, der fischig schmeckt, ist zu stark gedünnt. Er schmeckt nur nach Dünnmittel, anstatt nach dem Teepflanzen!

Um diese Frage aufzuklären reiste ich in die Innenschweiz. Dort gab es Degustationen und Diskussionen, was ein Gyokuro sein sollte. Nach der intensiven Gyokuro-Auseinandersetzung konnte ich in dieser Nacht nicht schlafen und bekam sofort eine richtige Migräne... Ach, wie gesund ist der Tee? Wie gesund leben die Teataster? (Natürlich sollte man bei der Degustation den Tee nicht schlucken...)

Mehrere Proben von besten Beispiele wurden degustiert. Welche von konventionellen Anbau, welche von Nakai Organic Teegarten. Obwohl sie alle Gyokuro heissen, zeigten sie uns unterschiedliche Richtungen des Teeverständnis des Teemakers. Viele schmeckten eindeutig fischig und waren sofort trüb nach dem Aufguss. Einen grünen Tee, der einfach nach dem Frühlingsblatt schmeckt, war in meisten Tassen nicht zu finden. "Fisch-Assoziation" war sehr präsent. Muss es sein? Nein. Ein guter Gyokuro schmeckt nach feinem Nori (gerösteter Algenblatt), aber nicht nach Fisch-Gestank. Ich verstehe den japanischen Tee nicht besonders gut. Mein Zugang kommt vom Oolong aus. Wenn alle Prozesse richtig passieren, ist der Aufguss klar und die Farbe leuchtet. Der Geschmack ist sauber und beflügelnd, anstatt schwer und undifferenziert. Es ist beim Kaffee so, ist beim Wein so und ist beim Gyokuro wohl ausnahmelos so.

Persönlich bin ich kein begeisterter BIO-TEEFAN. Bio-Siegel spielt bei mir keine Rolle, der Tee muss für sich stimmen. Oft erlebe ich, wenn ein so gennanter Bio-Tee in guter Hande produziert wird, könnte ein wirklich lebendiger und hervorragender sein, als ein Tee aus konventionellem Anbau. Die Tees aus Nakai Teegarten sind solche Exemplare. Das Süsse des Gyokuros, das elegante Frische des Frühlingsblatt und das erhebende Gefühl nach dem Genuss begeisterten Anwesenden Tee-Profis. Natürlich gefiel mir der Tenka-Ichi aus Bern besonders gut! Sanft, elegant, süss, salzig und ein nachhaltiges fesselndes Bleiben im Mund. Ein ausgezeichneter Mainstream-Gyokuro - ein Gyokuro, den jeder nie übersieht. Für mich war er ein wirkliches Meisterwerk in seiner Kategorie. Der Preis: 50g für 70 Sfr!

Wahrscheinlich existert überall das gleiche Problem: der Mainstream-Geschmack und der Geschmack eines individuellen Teemakers. Warum sollte man keinen Gyokuro produzieren, den jeder sofort erkennt und kauft? Warum will man einen Gyokuro produzieren, der anders und nur nach duftendem Frühlingsblatt süss und frisch schmeckt? Das ist wohl nicht nur ein individueller Stil, sondern eine Lebensentscheidung eines Handwerkers.

05/5 Heilen mit Tee, ein Buch

Buch Heilen mit chi. Tee

Als ich in letzter Woche das Buch zur Hand bekam, war ich richtig stutzig!

Einerseits finde ich super, das Buch wieder publiziert zu sehen; andererseits erschrak mich diese Abbildung auf der Titelseite richtig!!

Was für ein Verständnis hat der Verleger, Disigner und Autor von Teetrinker?

Zum Glück bin ich nicht mehr an der Uni und Semiotik ist nicht mehr meine Spzialität. Was hätte Roland Barthes dazu sagen wollen? Wieder ein Mythos im Alltag!

Zuerst war ich sutzig und dann nur Schmerzen spüre ich. Teetrinker gehören zur gewissen Exoten in Deutschland. Entweder wird Tee als geheimnisvoll vermarktet oder als Wellness-Werkzeug. Der Teetrinker werden häufig als Austseiger oder als Esoteriker abgebildet - wie hier. Leider kenne ich selten solche Typen und ich selbst bin ganz bodenständig.

Warum sind wir als Teetrinker über solche "Unterstellung" und "Kategorisierung" nicht wütend?

Das Buch finde ich trotzdem lesenswert. Der inzwischen verstorbene QiGong Meister Wu Runjin vermittelt uns ein interessantes Aspekt zum Tee, anders als nur Wellness- und Vitaminen-Verständnis.

Heilen mit Tee

Wu Runjin und Dr. Erika Alice Haase

Windpferd Verlag

Neu erschienen im März 2008, 14,9 €

05/5 Ein sehr guter Frühlingstee

Liebe Meng-Lin Chou,

.....

Mir brennen zwei Fragen auf den Lippen, die ich selbst nicht so recht beantworten kann. Ich bin mir sicher, Sie können mir bestimmt helfen. Sie schreiben, im Frühling ist es sinnvoll Blütentee, wie Jasmin und Osmanthus Oolong zu trinken, um das Yin, also die Kälte vom Winter rauszulassen und das Yang zu stärken.

Was verstehe ich genau unter Jasmintee und Osmanthus Oolong?

Oft wird als Jasmintee grüner Tee verkauft, welcher Jasminblüten für den Aromatisierungsprozess gesehen hat, aber keine Jasminblüten mehr aufweist. Versteht man daher richtigen Jasmintee nur als reinen Blütentee?

Wie ist das mit Osmanthus Oolong? Was ist der Unterschied zwischen einem Osmanthus Oolong und einem „normalen“ Oolong, der für den Herbst empfohlen wird?

....

Welche Tee sind noch sehr gute Frühlingstees?

Viele liebe Grüße aus London.

J.

Spätesten ab der Ming-Dynastie (1368-1644) wurde die Herstellung und das Mischen zwischen Blüten und Tee (Camelia Sinesiss) dokumentiert. Tee nimmt gerne fremden Geruch an und der fremde blumige Geruch verleiht den Tee eine andere interessante Nuance. Energetisch wird es häufig in der chinesischen Medizin erklärt, dass Blumentee oft anti-depressive, beruhigend und harmonisierend wirkt. Natürlich wirken jede Sorte anders:

Jasminblüte: 

Geschmack: scharf, wärmend, lieblich und leicht bitter - chinesische Medizin spricht immer zuerst über den Geschmack des Kräuters und dann aus diesem Standpunkt seine Wirkung. Geschmäcke wirken heilend. 

Wirkung: Leber-Feuer sedierend (wer häufig Wut-Anfall hat...), Qi-bewegend (emotionale Blockade) und Schmerzlindern, Schlaffördernd and Gemüt-ausgleichend. - den Tee könnten alle gebrauchen.

Osmanthusblüte

Geschmack: lieblich, wärmend, leicht scharf.

Wirkung: wärmend und schleimlösend. Die Wirkung zieht gezielt auf Lunge Bereich - im Herbst besonders günstig. Im trockenen Klima wirkt ein Tee mit Osmanthusblüte befeuchtend im Atemweg.

Natürlich könnte man einen reinen Aufguss nur mit Blüten machen - das wird ja im Europa bereits seit Jahrhunderten praktiziert. Eine Mischung zwischen Tee und Blüte sollte außer der eigenen Wirkung der Blüten noch verstärkend wirken. Eine Mischung zwischen grünen Tee und Jasminblüte hat eine harmonisierende Effekt, weil der grüne Tee (Yin) und der Jasminblüte (Yang) ziemlich gut ausgleicht. Es wirkt auf das Gemüt entspannend, aber geistig klärend. Es gibt verschiedene Sorte von grünem Tee. Wichtig dabei ist, dass der Tee richtig hergestellt ist und von einer guten Qualität.

Ein Osmanthus-Oolong ist ein Oolong mit Osmanthusblüte, dessen Produktion eigentlich erst im Herbst erhältlich ist. Aber heute wird dieser Oolong mit Parfüm gemacht - darüber habe ich bereits viel mit meinen Klienten heftig diskutiert. Ein natürlich hergestellter Oolong ist im Westen gar nicht bekannt und lässt sich wohl kaum verkaufen... So ein Osmanthus-Oolong wird gerne in Taiwan im Herbst getrunken. Er befeuchtet die Lunge (wer ist Kettenraucher oder leidet unter Asthma?) und stärkt Milz (Verdauung). Das ist ein schöner Herbsttee. Selbstverständlich ist er nicht der einzige Oolong, der im Herbst zu emfpehlen ist.  

Ein guter Frühlingstee? Im Moment bin ich verliebt in Anji Baipian. Alle Besucher von mir werden mit Anji Baipian bombadiert. Ob sie alle diesen Tee so gerne haben, weiss ich nicht so genau. Aber seine leicht Neroli und Zitrus-Duft und seinen feinen geschmeidigen Aufguss vertreibt meine Frühlingsmüdigkeit. Diesen Tee trinke ich gerne nachmittags. Morgen starte ich wie gewöhnt mit meinem Dianhong oder Hongyu (Schwarztee - wärmend und aufbauernd). Das Frühlingsgefühl lerne ich erst hier im Europa kenne, auch das wechselhafte am Wetter und an Gemüt. In einem Sub-Tropischen Insel ist der Frühling selten aufzuspüren.

02/5 Der eiskalte Oriental Beauty - Tee im heissen Tag II

Im Sommer 1904 erlebte man auf dem Expo in St. Louis die unerträgliche Hitze einnes Rekordsommer. Der Teestand, dessen Aufgabe Amerikaner vom Grüntee zum Schwarztee verführen sollte, konnte kaum Publikum zum heissen Schwarztee überzeugen. Richard Blechynden musste dringend eine Idee finden, um seine Mission zu retten. Er schüttelte Eis in den heissen Tee, der sekundeschnell gekühlt wurde und sofort rege Zulauf fand. Das war der Anfang des Eistee.

1980 war der Verbrauch vom Eistee mind. dreifach höher als der heisse Tee. Lu Yu hätte wohl nie gedacht, als er Cha Jing schrieb. Er hätte nie gedacht, dass man aus dem heissen Zaubertrank zum kalten Durstlöscher revolutionieren würde. Er hätte nie gedacht, dass diese Verwandlung ein riesen Bussiness versprechen könnte!

Für einen Fossil-Chinese ist der Genuss mit eiskalten Dingen immer mit Vorsicht geboten. Aber in der modernen Zeit ist der eiskalte Genuss ein Versprechen von Frischen und Fortschritte.

In Taiwan wird Tee im heissen feuchten Sommer auch gerne kalt getrunken. Unser Rezept wäre: 2 Liter Wasser im Zimmertemperatur und 30g Oolongtee mischen. Direkt in den Kühlschrank 6 Stunde ziehen lassen. Die Teeblätter werden danach gefiltert. Der fertige Tee könnte man für 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Mein Lehrer in Taipei hat am liebsten den eiskalten Oriental Beauty im unerträglichen Taipei-Sommer. Die honig Note und feine fruchtige Nuance vertreiben die nervigen Hitze und Plage sofort aus dem Kopf. Was bleibt, ist der königliche Genuss wie die einstige Viktoria!

Wenn man gerne das Volkssport im Mitteleuropa treibt, könnte man den Eistee im Eisfach kühlen lassen. Vor der Abreise zum Wandern wickelt man ein Tuch um die Plastik-Flasche. Bei der Wanderung taucht der langsam auf und das inzwischen eiskalte Tuch gleicht den Genuss von Osibori (ein Tuch für Kunde um sich zu erfrischen, meistens eiskalt oder heiss) in einem richtigen japanischen Restaurant!

Natürlich könnte man den königlichen Genuss bis ins Details nachmachen. Zucker im Tee war die Machtdemonstration der einstigen Zeit. Das goldwerte Zucker und der rare Tee aus China präsentierte eine Mischung von dem außerirdischen Genuss und der Sehnsucht nach Paradies. Heute ist jeder der König in eigenem Schloss und der königliche Genuss ist heute richtig volksnah!

30/4 Tee für die heissen Tagen I

Auf den Weg nach Nyon rief mich Jürg an, der gerade etwas für seine Tee-Online-Magazin plant. Gegen die verbreiteten Vorurteile, Tee nur als Wintergetränke gegen Schiefwetter gesehen wird, möchte er etwas dagegen kontern. Er bat mir einen Text zu schreiben, aber nicht zu lang. Einen langen Text, meint er, liest heute niemand mehr.

Einen kurzen Text zu schreiben könnte ich gut, aber nicht um Leser zu gewinnen. Gestern bat mein Klient mich seine Mitarbeiter zu schulen, sie zum Tee-Begeisterten zu verwandeln. Aber ich habe nur zwei Stunden Zeit. Was könnte man denn aus den zwei Stunde machen? Wenn der Klient nur so viel erwartet, dann gebe ich auch so viel, nicht mehr.

Dass man hier im Blog immer mit einem langen Text konfrontiert ist, schreckt wohl viele Leser ab. Mir geht es eigentlich nicht an, wie viele Leser hier verweilen. Meine Arbeit definiert sich nicht über die Besucherzahl, sondern über meine fachfräuliche Information und Wissen. Es macht mir viel mehr Gedanke, Leser mit meinen unklaren Information oder Sprache zu verwirren als die absteigende Besucherzahl. Wenn Menschen sich nicht mehr bemühen, Zeit und Energie zu nehmen etwas zu pflegen, was ihnen wichtig ist, bekommen sie eben das, was bekommt werden können - mehr nicht. Ich bin durchaus zufrieden mit der täglich über 1000 Besucherzahl, die mir zwar Freude bereitet, aber mir auch lästig wird, eine Verantwortung für meinen Text zu übernehmen. Meine Aufgabe ist nicht Menschen zu helfen über Tee zu informieren. Ich mache das Schreiben einfach gerne. Menschen helfen sich schon selbst, wenn sie geholfen werden wollen. Sie finden auch das, was sie suchen, wenn sie suchen.

Also, nun mache ich mir Gedanke, was man Tee unter Getränke für die heissen Tagen versteht. Tee ist weder heiss noch kalt. Ach, die armen Menschen suchen immer das, was sie beschäftigen sollen und womit sie festhalten können - aber nur möglichst mit wenigster Aufwand!

29/4 So wach wie ein Frosch

Auf das Wiedersehen mit Nojiri Sensei war ich nicht besonders scharf. Bevor ich nach Nyon fuhr war ich nervös, unsicher und volles schlechten Gewissen. Mein spärliches und vernachlässiges Praxis wird mich verraten und was sollte ich ihr denn von meinem Verschwinden erklären?

Als wir uns zufällig zu zweit beim Eingang begegneten, fragte sie mich nur, "How are you?" Ich sagte, fein. "Really?" Sie beobachtete mich mit ihren starken Augen. Sie leidet inzwischen unter schlimmen Heuschnupfen.

Nojiri Sensei hat zwei besondere Begabungen.

1. Begabung: sie kann ihre Schüler sehr gut imitieren. Sie imitiert unsere schlechte Haltung oder nervöse Fehler und bringt allen zum lachen. Gestern morgen fragte sie uns, was eigentlich die richtige Haltung von Tee sei. Wie könnten wir denn das richtige Körpergefühl in uns wieder finden? Dann imitierte sie ein Frosch. Sensei (jap. Lehrer) behauptet die richtige Haltung des Tees ist die Haltung eines Frosches. Ein Frosch bewegt sich nicht, verliert sich nicht. Er sah wie verschlafen aus, schnappt jedes Insekten blitzschnell. Wach und unbeirrt sollte die Haltung des Teepraxis sein.

In jedem Morgen üben wir, wie wir zum eigenen Körper zurückkommen und wo ist der Punkt, der uns unbeweglich macht und der uns Souveränität vermittelt. Aus diesem Punkt sollten wir Tee für anderen Menschen zubereiten. Wenn der Gastgeber souverän ist, könnte er auf andere Menschen eingehen und eine Atmosphäre kreieren. Jedesmal wenn dieser Punkt wieder in mich zurückkommt, weiss ich den Grund, warum ich noch da bin und Tee praktiziere.

2. Begabung: diese zierliche unscheinbare Frau strahlt eine unbegrenzte und unendliche Präsenz, die sich durch ihre Stimme und starke Augen manifestiert. Ihr wacher Geist bringt die Komplizierten Schüler aus ihrem Konzept und lässt sie entblösen. Eigentlich ist es die beste Übung unter ihrer starken Präsenz, sich nicht von ihr aus der Ruhe zu bringen. Das ist leicht gesagt als getan.

Sie fragte mich am ersten Tag, was ich ihr gerne präsentieren wollte. Ursucha oder Koicha. O.K. Koicha im Ro (Erdofen - Winterstellung), das kann ich schon und mache es auch richtig gerne. Zu nervös werde ich wohl nicht. Sie hörte von Koicha und fragte, welche Zubreitungsart? Natürlich wollte ich die einfachste nummer und sie die komplizierste. Ich liess mich nicht beirren. Dann fing die Hölle los.

"Do you know, what you have to take now!!??"; "What do you do??!!"; "Where are you? You lost your center!! You should never lose your center!!! HMMM!!!"

"This is not Koicha! This is Ursucha!" Sie sass nicht gerade neben mir, woher sollte sie denn wissen, ob mein Tee zu dünn war? "HOW DO YOU KNOW THAT?" Alle lachten, weil ich ihr widersprach. "I see everything!" Mein Koicha war tatsächlich zu dünn, aber woher sah sie es?

"I told you to do the complicated one, but you prefer the simple one!" sie schaute mich mit ihren starken Augen. Sie vergass es nicht und hing es an die große Glocke. Am nächsten Tag musste ich natürlich den Befehl ausführen und ein harter Tag fing richtig an. Fast zu jeder Temae (Teezubreitung) wurde ich aufgerufen mitzuarbeiten. Als Strafe oder Privileg kann man es nicht so leicht definieren. Ich war am Abend richtig erledigt. Erledigt war auch mein Wünsch baldmöglichst wieder dabei zu sein.

Später kam Miya zu mir. Sensei habe gesagt, dass sie sich über meine Fortsetzung des Unterrichten erfreut habe.  Dies erzählte sie mir persönlich nicht. Das sollte ich von anderen indirekt erfahren und meinen eigenen Weg für mich selbst praktizieren, nicht für sie.

Nun komme ich mit einem strapazierten Körper in Zürich an und hatte noch zwei tolle Begegnungen mit zwei Klienten in Bern. Ein Klient sagte mir, dass er noch weitere 20 Stunde mit mir hätte reden wollen. Das war die Energie von Nojiri-Sensei und Tee. Mein Körper ist müde und hat Schmerzen, aber der Geist ist klar und zufrieden. Ich höre immer noch, wie sie "schrie": "Your ears should be always over your shoulder!"

An ihre Seminars könnte man in Brüssel, München (St. Ottilien), Bern, Nyon oder Rom teilnehmen. Details könnte man unter diese Seite bei zuständigen Organisationen anfragen.

29/4 Auf den Weg nach Nyon

Wege sind Orten der Begegnung und Kreuzungen sind Anfang der Irrwege. Manche treffen sich aus verschiedenen Wege an der Kreuzung, mache eilen weiter in die eigene Richtungen, mache geraten deswegen in die Irrwege.

Wir sind erzogen auf den richtigen Weg zu gehen. Wir haben erst die Möglichkeit uns zu erlauben, sich zu irren, wenn wir zu einem fremden Ort aufbrechen - das Aufbrechen aus dem Gewöhnlichen. Unter den Fremden dürfen wir in die Irrwege verlaufen. Kinder geraten auch gerne in Irrwege. Denn Sie ihre Welt als das noch Unbekannte voller Fremdheit und Faszination wahrnehmen.

Ich war als Kind mindestens zwei Male vermisst, aber nicht auf den Irrweg. Es war Wege der Sehnsüchte. Es war Wege der Möglichkeiten, sich aus dem von Eltern bestimmten Realität zu befreien, in die Ungewissheit der Anziehungskraft. Das erste Mal, vermisst zu sein, war meine jüngste Tante schuld. Sie war zu jung und zu unerfahren. Plötzlich befand ich mich unter Fremden an einem Strassenrand. In der Erinnerung fragte ein älterer Herr mich nach meiner Adresse und meiner Eltern. Ich hatte keinen Grund zu weinen und sagte den auswendig gelernten Text. Er kannte diese Adresse. Er kaufte mir ein Eis. Während ich Eis ass, tauchte mein Großonkel auf, der mit Velo in der Rettungsaktion des Clans ganz nervös rund fuhr. Zum zweiten Mal war mein Großvater schuld. Er sollte mit mir kurz in den Tempel gehen und etwas holen. Er genoss in dieser Pause seine Zigerette, die er zu Hause nicht mehr sichtbar geniessen konnte. Er kaufte mir ein Ball und sass im Genuss am Ecke. Ich spielte den Ball, warf ihm weg und folgte ihn. Das gleiche wiederholte sich bis der Ball auf einmal in den Fluss verschwand. Ich weinte ganz laut. Die Erwachsenen versammelten sich und wollte mir helfen, nach Hause zu bringen. Ich schrie nur in die Richtung des Balls, aber sie verstand es nicht. Ich verriet meine Adresse nicht und schrie so lang, bis mein Vater mich fand. Er war verzweifelt. Er sagte, er habe mich sogar lokalisieren können wegen meinem unerträglichen Schrei.

Auf den Weg nach Nyon dachte ich immer wieder an meinen Irrweg im Erwachsensein.

Als ich 1999 den Einladungsbrief von einem brüsseler Teeseminar mit Nojiri-Sensei (jap. Lehrer) über Detlef zur Hand bekam, wußte ich noch gar nicht, worauf ich mich einliess. Eine Schale Tee verändert mein Leben - komplett. Den Weg der Veränderung machte man mir allerdings nicht einfach. Ich sah wie manche im Unterricht zum Weinen gebracht wurden, wie die Sensei mit immer lauteren Stimmung Handlungen korrigierte. Mich schickte sie in einem Nebenkammer und ich durfte nur das Erlaubte Stück für Stück lernen. Heute verstehe ich mit Dankbarkeit den Grund. Damals war es wie eine Schikane. Die Schikane erschrak mich nicht, weil ich einer fremden Anziehungskraft folgte. Ich wollte sie weiter folgen und machte meine Entscheidung nicht von anderen Menschen abhängig.

Außerdem warnte Detlef mir bereits an der Wegkreuzng. Klar und unbeirrend sagte er mir:

Deine Knieschmerzen ist Deine Schmerzen. Dein Zweifel ist Dein Problem. Dein Weg ist Deins.

Gestern abends konnte ich meine Beine kaum noch berühren. Es war wieder sehr hart. Mich hat die Sensei richtig genommen und richtig geknetet. Der innere Zweifel überkam mich, ich fragte mich, weshalb kam ich hier her. Auch inzwischen kenne ich den Zweifel gut, er kommt und geht. Die Wörter Detlef vergesse ich nicht. Meine Schmerzen ist meins. Es geht um mich, um meinen Weg und meine Sehnsüchte. Seine Wörter helfen den Unentschlossenen rechtzeitig auf den richtigen Weg zurückzukehren, während die Entschlossenen entillusioniert weiter gehen können.

Auf diesen Weg der Sehnsüchte treffe ich die Menschen, die mir den Weg nicht immer "erleichtern". Jeder an dieser Wegkreuzung trägt seine eigene Geschichte und auch Belastung mit. Wir praktizieren zusammen den Teeweg und es entwickelt eine Verbundenheit, die weder aus Zuneigung noch Abneigung entsteht. Eine Freiheit, die erst anfängt, wenn man Menschen nicht mehr mögen "will", nur so wie sie sind, akzeptiert. Sie sind einfach da, wenn ich meine Augen öffne.

28/4 Eine Begegnung mit Raku

Raku HausEingang von Raku Familie in Kyoto

Detlef war bitter enttaeuscht, dass ich seinen Auftrag eines Raku-Chawans vergass. Er sagte mir gleich im Telefon, dass ich nicht nach Bodman kommen musste. Teetreffen sagte er ab. Ich war zu tiefst betroffen und bat ihm mehrmals um Verzeihung. Ich will unbedingt wieder nach Bodman, nachdem ich realisiserte, wie privilegiert es ist, dort Tee zu ueben. Ein richtiges Ofen in der Erde, ein richtig nach Mass eingerichteter Teeraum und unzaehlige kostbare Teatoys machen den Tee in Bodman zum Privileg in Europa. Ich bat ihm so lang um Verzeihung bis er mir einen Termin nannte. Beim Vergebungstee bereitete er mir eine Schale Koicha mit der ersehnten Raku-Schale. Ich war uebergluecklich.

In Nyon-Seminar mit Nojiri Sensei wurde ein Film ueber Raku gezeigt - seine Herkunft und seine Essenz. Zum ersten Mal bin ich mit dieser einzigartigen Geschichte konfrontiert und weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich diese Geschichte erzählen sollte.

Raku 15.GenerationDas Werk von Kichzaemon 15. Generation von Raku-Familie.

Diese Teeschale erinnert uns wohl nicht gleich an die herkoemmliche Teeschale, sondern an die moderne Kunst. Das Bild verraet uns die Zuneigung des Meister in der 15. Generation von Raku (Ofen des Freudes). Er studierte Skruptur an der Kunstakademie Tokyo und hatte lange Haare als ein Zwangzigjähriger.

Er sagte, dass das akademische Zertifikat keinen Artist macht und wollte sein Studium abbrechen. Er ging nach Rom und besuchte mich oft. Ich schimpfte ihn, dass er das fertigmachen sollte, was er angefangen hat. Sein Vater war sehr besorgt. Sein Sohn wollte mit der Tradition nichts zu tun haben.

Das erzeahlte uns Nojiri Sensei, die in Rom Kunstgeschichte studierte und dort als Teelehrin von der Urasenke blieb. Wie hat der junge Raku-Sohn sich doch fuer den Rueckkehr entschieden? Diese Wende hat der heute bereits älternde Mann im Film nicht bestont, er sagte lediglich, dass er unter den Fremden seine Wurzel wiederfand.

Er wollte nichts mit Tee anfangen und noch weniger mit Zen. Ich schimpfte ihn oft, dass ein Toepfer in seiner Klasse Tee machen muss, um richtige Teeschale zu kreieren. Irgendwann fing er in Rom an, sich fue Tee zu interessieren. Sogar fuer Zen. Er fragte mich, ob er mich zum Zazen begeliten durfte. Sein Vater war richtig erstaunt.

Wie wurde eigentlich ein Raku-Meister ausgebildet? Ist der Vater sehr streng in der Erziehung, um den Sohn zu unterrichten?

Der einzige Tag, wo Vater und Sohn gemeinsam schaffen, ist ritualisiert. Es ist und war immer zum Neujahr. Einmal im Jahr treffen Vater und Sohn zum Toepfern-Lernen. Er machte eine Schale und seine Soehne ihre. Der Vater unterrichtet im Rest der Jahreszeit dem Sohn nichts, wie er seine Teeschale kreiert und glasiert. Jede Generation muss ihren eigenen Weg finden, die Farbe ihres Lebens bestimmen. So sahen wir im Film, wie die Steinen im Bergen von Kyoto gemahlen wurde, um die Farbe fuer die schwarze Farbe der Raku-Schale zu gewinnen. Wir sahen, wie der Rakumeister seine Schale Farbe und Leben verleiht, waehrend seine Frau die Farbe ruehrt. Sie ruehrt seine Farbe und er gab seine Farbe an die Teeschale. Eine ausgesprochene und unbeschreibbare Ramantik strahlte in diese Sequenzen. Diese Arbeit wurde vor 400 Jahren so abgesprochen und bis heute ohne Ausnahme.

Er hielt eine rote Raku-Schale in der Hand. Er lachte und strahlte. Jede Teeschale muss in jeder Hand so harmonisch liegen, rund und kraftvoll. Er erzeahlte, dass es ihm am Herzen liegt, wie eine Schale seinen Herrn dient. "Diese Schale ist von einer unschaetzbaren Kraft. Eine Schale in der Hand kann Menschen beeinfluessen. Diese Schale hat mich veraendert." Er probierte ungefertige Teeschale, wie sie an dem Mund anschmeichelte, wie sie auf dem Tisch lag, wie sie in der Hand aussah. Seine Augen schauten durch die Teeschale durch und richteten sich an einem weiten Punkt... Stets an den Herrn der Schale zu denken ist das wichtigste. Nicht nur die Aesthetik, sondern das Praktische und das Emotionale zwischen den Haenden müssen beruecksichtigt werden.

Das erinnerte mich an dem Besuch vor einer Woche in Karlsruhe bei J. Wir schauten zusammen die Teeschale an, die er beauftragte. Wunderschoen und aesthetisch waren sie. Ich war beeindruckt von dem Ausdruck und Starke. Aber die Toefper machen keinen Tee und trinken wohl auch keinen Tee. Das manifestiert sich durch die Teeschale. Eine richtige Größeangabe macht eine Teeschale nicht zu Chawan, sondern die Seele des Machers. Das ist wohl das Geheimnis von Raku-Familie. Sie brennen die Schale mit ihrer Seele mit.

Wie ist nun der Sohn von der 15. Generation? Ist er gut gehütet vor der Globalisierung?

"Vor zwei Jahren sah er aus wie ein Punk."

Sagte Nojiri Seinsei

Jede Generation muss seinen eigenen Weg finden. Die Tradition koennte eine Seele ersticken, koennte auch belebt werden, durch das Bewusstsein einer unabhaengigen Seele, die vielleicht auf den "Irrweg" (vielleicht Wege der Sehnsuechte) war oder unter den Fremden lebte.

In diesem Film erfuhren wir, wie die Tradition insistiert wird und wie die Arbeit des Rakumeister von der 15. Generation gewuerdigt wird. Die Momente der Schwaeche, das Gefuehl von Burn-Out und der wahrscheinlichen Drang abzubrechen wurden nicht angesprochen. Ich denke aber, dass Schattenseite und Glanz gleichzeitig existieren. Dass die Arbeit des Rakus fortgesetzt wird, zeigt die Kraft des Vertrauens eines Menschen, einer Familie und eines kunsthandwerks.

Adresse von Raku Museum

Aburanokoji Nakadachiuri Agaru Kyoto Japan 602-0923 TEL. +81 (0)75- 414-0304
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