03/3 Qilan Dancong Shuixian, seltene Orchideen

Nach einem aufregenden Ferngespräch nach China ging ich unbewußt in die Küche, wahrscheinlich wollte mir eine Schale Tee zubereiten, oder einen Kaffee. Irgendwie fassten meine zitternde Finger meine arme Orchideen, der ununterbrochen blühte und sein Freude an das einfache Dasein hatte. Meine Finger hielten die Blume nicht und das ganze Topf ist auf dem Boden gefallen. Das zerbrochene Topf ist wie das erschüttelte selbst, alles wurde einfach konkret vor dem Auge geführt. Schmerzhaft.

Mit mir kommt nur Orchideen aus, weil sie selbstständig ist. Ich komme auch nur mit Orchideen aus, weil ich selbstständig bin. Wir brauchen uns gegenseitig nicht, geniessen auch das einfache Zusammensein. Orchideen muss mich nicht mit ihrem Duft verführen. Ich muss Orchideen nicht zum blühen erzwingen. Für Chinesen bedeutet Orchideen nicht nur die Edelheit und Aufrichtigkeit, sondern auch Einsamkeit und Reinheit. Edel und aufrichtig strahlen die schöne Blüte dieser Pflanzen aus. Sie blühen in dem Ecke mit wenige Anspruch auf Nährstoffe und Wasser. Sie beglücken unseren Anblick mit paar prächtige Blüten, weniger ist mehr. Orchideen ist gleichzeitig ein Sinnbild von Einsamkeit, weil sie anders als andere duftende Blumen, die Aufmerksamkeit erregen. Orchideen blüht meistens allein vor sich hin am Fenster - auch ohne deine Bewunderung weiß ich selbst zu schätzen. Sie ist rein.

Als Christof mir am Sonntag sagte, dass der Duft von edelen Tees eher zurückhaltend roch und ruhiger erschien, wußte ich, dass er etwas von Orchideen versteht. Viele Menschen würden einen Tee bevorzugen, wenn er sich schnell zu Wort meldet und Ach-Erlebnis erregt. Auch erfahrene Tee-Profis haben damit Schwierigkeiten, eleganten Tee zu verstehen. Weil ein schreiendes Kind Aufmerksamkeit erregt, ein ruhiges Kind oft vernachlässigt wird. Der leise präsente nachhaltige Duft kann in einer schnellen Degustation bzw. einer Gesellschaft, die stets nach Erlebnisse verlangt, selten wahrgenommen und bewundert werden.

Qilan Shuixian, auf Chinesisch seltene Orchideen habe ich selten richtig gut erlebt. Oft schmecken Sie schwer und herb. Die Leichtigkeit und Edelheit der Orchideen blieben mir immer nur in der Vorstellung. Seit paar Tagen bekam ich 10 Qilan zu degustieren und entdeckte darin eine seltene Schönheit, wie die seltene Orchideen! Diesen Tee goss ich in meinem Seminar am Sonntag, es war für die Teilnehmer ein Erlebnis. Das schöne Parfüm nach Melone, nach Freesie, wobei Freesie für mich schwerer und süsser duftet wie der Qilan, nach Jasmin und nach Citrusblüte!

Der Duft süss, aber leicht, ein Hauch der Kühle anstatt der Wärme, eine Spur der nordischen Schönheit als der verwirrende Zauber. Stets klar und präsent im Aufguss. Ein klarer geschmeidiger Körper fliesst in die Kehle ohne Spuren hinterzulassen. Ein Tee bei der Einsamkeit. Der Tee wird dich begleiten in der einsamen Stunde. Auch wenn die Welt runtergeht, bist Du allein, aber nicht einsam.

Von einer lieben Freundin bekam ich paar Zeilen, die ihre Einsamkeit schildern. Jeder hat einen inneren Garten und in diesem Garten gibt es immer Ecken, wo niemand zugelassen wird. Gewollt oder ungewollt. Einsamkeit ist ein Phänomen, das uns begleitet, auch wenn wir davor fliehen. Je mehr man Dinge von aussen oder von selbst wahrnehmen kann, desto weniger man mit anderen Menschen austauschen kann. Nicht alle Menschen können sich gemeinsam entwickeln, nicht alle Menschen können alles teilen. Mein Garten gehört mir und muss von mir gepflegt werden. Die Einsamkeit gehört wohl dazu, damit ich meine Liebe meinem Garten widmen zu können. In diesem Garten wächst eine seltene Orchideen. Wenn ich will, trete ich auch aus diesem Garten und schaue mir die Welt an.

03/3 Seltende Orchideen und Freesie

Seltender Orchideen und Freesie

Seltene Orchideen, Qilan Shuixian Dancong

Anbauort: Guandong Chaoan, China

Baumsorte: Shuixian.

19/2 Zhangping Shuixian III

Seit gestern Abend bekam ich Anfrage wegen diesem selten gesichteten Oolong.

Ich habe diesen Tee erst kennen gelernt. Die Wünsche der neugierigen Teeliebhaber kann ich leider noch nicht erfüllen. Ich verspreche, diesen Tee in diesem Frühling zu finden. Aber das Versprechen einer Frau sollte "man" nicht zu ernt nehmen, oder?

Zhangping Shuixian kommt aus Fujian Zhangping. Nach der Herstellung des Tees werden die Teeblätter im Holz-Modell gepresst. Samt dem Papier im 80 Grad getrocknet. Die Trocknungszeit beträgt 35-40 Stunde.

Seit 80er Jahren ist der Tee langsam bekannt. Bekannt mit schönem Duft, aromatischen Tassen und nachhaltigem Körper. Qualitäten sehr verschieden. Ich habe auch viele schlechte Beispiele erhalten. Dieses Exemplar von letztem Freitag war eine seltene Schönheit. Mein Lehrer war sehr begeitert von diesem Tee, aber etwas bedenklich wegen der Lagerung dieses "wenig stabile" Mode-Tee.

Ob dieser Tee als eine modische Erscheinung bleibt, oder ein Klassiker werden kann, lässt sich Tee trinken und abwarten. 

18/2 Zhangping Shuixian II

Einen Duft des Frühlings und einen Geschmack des Frühlingswindes möchte X. mir schenken. Am vergangenen Freitag erhielt ich ein kleines Paket aus Paris. Ein Abschiedsgeschenk eines langjährigen Freundes, der diese Stadt verließ. Nicht nur Abschied von dieser Stadt, sondern auch von seinem Jungentraum, von einem Kontinent und von ein Stück der eigenen Identität.

Er sagte, ich soll mich aufraffen, auch so einen Tee finden zu können, ihn in meinem Laden zu verkaufen. Aber er glaubt es mir nicht, dass ich es schaffe. Versprechen muss ich trotzdem.

Zynisch und direkt ist unsere gewöhnte Umgangsart. An der Uni fingen wir an den ersten Tag bereits zu streiten. Für irgendeine Kleinigkeit. Wir fanden es lustig und taten es weiter. Wir haben gemeinsame Hobbys – essen und trinken. Wir tranken gerne Kaffee, gerne Bier, gerne Ente, gerne Kuriositäten. Wir streiten oft, wer den besten Kaffee fand. Total kindisch. Als ich an der Strasse für die vermeintliche Demokratie kämpfte und schlechte Note hatte, belächelte er mich. Als ich heiß verliebt in einem Medizinstudent war, lachte er über mich aus. Als mein Herz gebrochen war, brachte er mich nach Jinshan zum Enteessen. Ich aß vier Entekeulen. Allein. Als ich nach Deutschland ging, ging er nach Paris. Seitdem gehen wir auf den getrennten Weg.

Als er mich in Deutschland besuchte, wollte er meine Kürbissuppe nicht essen. Lieber Pizza holen, das tat er. Ich sei nicht fraulich, meinte er und darum kann er mich gut leiden.

 

1994 brachte er mich zu den noch kleinen und unscheinbaren Laden von Frau Tseng in Paris. Er sagte, wenn Du Dich langweilst, dann mache doch auch so etwas auf. Er lachte über meinen Unitraum. Am liebsten möchte er Filmkritiker werden.

Filmkritiker ist er leider noch nicht. Paris war ein Fluchtweg für einen Stammhalter einer Oberklasse-Familie Taiwans. Wegen seiner Verpflichtung und seiner Gesundheit muss er sein Exil aufgeben.

Wie soll ein Heimkehrer, der inzwischen Fremde geworden ist, sich wieder heimlich aneignen?

Leicht verschnupft öffnete ich den klein verpackten Teebeutel. Ein Shuixian duftete unglaublich nach Frühling. Es waren Maiglöckchen, Hyazinthen und Flieder! Es war ein seltener sonniger Tag in Zürich. Eine Ankündigung von Frühling? Eine frische Brise wehte meine Haare. Ich roch den Frühling. Ein leises Flüstern eines alten Freundes, weiß Du, Du bist wie eine Blume an einem entfernten Ort. Auch über Dich strahlt die Frühlingssonne. Das Licht wird Dich hüten bis wir uns wieder sehen.

Wir gehen getrennt auf die selbst gewählten Wege. Vor der ungewissen Zukunft hilft uns nichts anders als Vertrauen. Vertrauen in Menschen, die uns von Bedeutung sind. Ich sollte ihm versprechen, dass ich nicht weniger wiege, wenn wir uns wieder sehen. Ich sollte ihm versprechen, dass ich ihn in Taipei zum besten Restaurant einlade. Ich sollte ihm versprechen, wenn er mich einmal besuchte, nie Kürbissuppe zu kochen, sondern zum Dolder einzuladen. Wenn ich mich nicht melde, weiß er, dass es mir gut geht.

Was muss er mir denn versprechen? Er wusste es nicht. Einfach gut essen und trinken, meinte er.

zpsx

Versprechen ist die Farbe der Zukunft. Versprechen ist der Bogen der Regenbogen. Ich werde ihm versprechen, wie eine Blume an einem entfernten Ort zu blühen. Entfernung ist manchmal nur eine Vorstellung. Der Bogen der Regenbogen kennt Entfernung nicht und unvorstellbar breit. Breiter als die Zeit zwischen des Wiedersehens.

Ein unglaublich schöner Shuixian, tatsächlich wie die Frühlingsblume! Schöne klare Farbe im Aufguss. So federleicht wie die Brise. Blumig, süß und elegant. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Frühling so einen schönen Tee finden kann! Aber ich verspreche mir selbst, es zu schaffen!

18/2 Zhangping Shuixian

Zhangping Shuixian
Ein gepresster Oolong. Ein Shuixian aus Fujian, leicht fermentiert und ungeröstet. Der Geschmack des Frühlings sollte es sein.

19/1 Röstung II (Hongpei)

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Dieses Foto ist mit Blitz. Zwei Fotos von dem gleichen Shuixian Dancong Milanxiang 2008 vor und nach der Röstung.

Foto links vor der Röstung. 

Foto rechts nach der Röstung.

Man sieht, dass die Farbe von der gerösteten Shuixian dunkler aussieht als der ungeröstet. Die Teeblätter im Aufguss von der ungerösteten Shuixian sich besser entfaltet als der geröstete.

19/1 Röstung I (Hongpei)

(no title)

Gewiss duften die meisten Orchideen in meisten Nase nicht.

Seit letzten Februar blühen die Orchideen in meinem Zimmer ununterbrochen. Irgendwie fühlen sie sich wohl, dass sie eine faule Nachbarin gefunden haben. Ab und zu bekommen sie Wasser, wenn die Nachbarin nicht vergisst. Eine Blume, süß in ihrer Unschuld, duftend in ihrer Stille. Wie klingt denn eigentlich die Sprache, durch die Blume zu sprechen?

Ich bewundere diese Pflanzen und sprach manchmal zu ihr, wie schön sie sind. Wenn eine Blüte verwelkt, fällt sie irgendwann auf dem Boden. Anscheinend vergessen sie nicht, ihr Beste für die Welt hinterzulassen. Ich schmecke in dieser verwelkten sterbenden Blüte stets eine konzentrierte Süsse, trocken und intensiv. Ihr letzter Klang. Okakura schrieb, dass ein Mensch erst ein Mensch wurde, nachdem er mehr als nur die eigentlichen Lebensnotwendigkeiten von der Natur forderte. Ein Mensch wurde erst ein Mensch, als er ins Reich der Kunst eintrat, indem er den feinen Nutzen des Nutzlosen erkannte.

Der Mensch in Urzeit unterschied sich vom Tier, als er seinem Mädchen eine Blume brachte, in der Blume die Sprache der Liebe erkannte und durch die Blume sprach.

Wozu sollte man einen Tee rösten? Warum wird überhaupt ein Tee geröstet. Ist es nicht schön, die Teeblätter so zu belassen, wie sie unbehandelt schmecken? Ist es nicht immer besser, wenn die Natur natürlich bleibt? Weshalb kam der Mensch auf die Idee, die Teeblätter aufs Feuer zu legen, Energie und Zeit zu investieren?

Sicher war früher in China der Transportweg lang und aufwendig. Klar war die Konservierungsmethode rückständig und unpraktisch. Um die Aromen des Tees besser zu schützen und zu stabilisieren wurde diese Methode erfunden - für die Gegenden, die sich leisten konnten, den Tee übers Feuer zu behandelt. Für anderen Gegenden oder in einer anderen Zeit, wo mandas Wissen nicht hatte, wußte man nur, dass man den Tee vor der Zubereitung kurz übers Feuer rösten sollte. Dieser Vorgang hilft, dem Fremdgeruch zu beseitigen - dies standen in allen Teebücher in der Tang- und Sungzeit.

Die Rolle der Röstung beim Oolong wurde es mir zum ersten Mal richtig klar, als der Shuixian Milanxiang mir erklärte.

Milanxiang ist eine beliebte Art von Dancong Shuixian, der nicht nur leicht Note von Pfirsich oder Longgan hat, sondern auch intensive Nuance von Honig und Orchideen.

Zwei Milanxiang Shuixian aus dem gleichen Tee, der gleichen Partie. Der einzige Unterschied ist die Röstung.

Der ungeröstete Milanxiang schmeckt in den ersten 5 Minuten leichter, eleganter und blumiger als der geröstete. Nach zehn Minuten als die Aufgüsse kalt wurden, wurden die Sprache plötzlich anders. Der geröstete gewinnt immer mehr Tiefe, Intensivität und Geschmeidigkeit. Süss wie Honig, wie sterbende Orchideen und wie eine reife platzende Frucht!

Selten bekommt man solche Intensivität im Aufguss. Die Flüssigkeit fliesst wie ein guter Rotwein, ölig in der Tasse. Selbst nach 15 Minuten merkt man kaum die Herbe, nur leicht spritzige Pickel an der Zunge. Der ungeröstete Shuixiang schmeckt nach 15 Minuten bereits sehr herb und diese Herbheit ist so dominant, dass sie kaum zu überwinden erscheint. 

Kaum zu glauben, dass sie der gleiche Tee ist! Kaum zu glauben, dass Tee für sich spricht.

Nun wurde es mir auf einmal bewußt, was Okakura in seinem Buch trauert. Der Mensch vergißt immer mehr, was einen Menschen ausmacht - die Kunst aus dem Nutzlosen das Nutzliche zu erkennen, der Versuch, etwas Mögliches aus dem Unmöglichen zu ermöglichen. Röstung ist eine Kunst, einen Tee zu verfeinen, ohne etwas hinzufügen. Eine Kunst, die aus einem Tee das Beste zu ermöglichen. Eine Kunst, die das Maximal von einem Tee fördert.

Foto: links - ungerösteter Milanxiang; rechts - gerösteter Milanxiang.

16/1 Regenbogen in Shuixian Dancong

Im Sommer, wenn es regnete. Wenn es in mir anfing zu schimmeln, sagte er „Es regnet, freue Dich nicht auf den Regenbogen?“

 

Gestern in diesem Schneeregen, wenn es in mir anfing zu zittern, sagte er „Es schneit, freue Dich nicht um so mehr auf den Frühling?“

 

Manchmal, wenn es mich einengt, in dieser Berglandschaft, wenn ich anfange zu fluchen, sagt er „Freue Dich nicht auf das Meer? Das Meer, das Extreme umfasst – Sehnsüchte und Freiheit, Weite und Grenze, Hier und Dort.“

 

In Dancong Shuixian finde ich diese Stimmte, die in jenen Moment auftaucht, wenn die Angst wieder Überhand übernimmt. Ein Tee wie der Regenboden, der nur nach dem Regen kommt, wenn die Sonne wieder bereit ist aufzugehen. Die Sonne in jedem Herzen.

 

So einen Tee zu finden war fast unmöglich. Dancong gibt es tatsächlich überall, aber ein Regenbogen in jedem Dancong zu finden nicht. Catherine fragte mich jedes Mal im Telefon, „Hast Du wieder den Dancong?“ Enttäuschende Antwort musste ich geben. Ein Dancong, der nicht nur so heißt und nicht nur teuer ist, der blumig, fruchtig und intensiv schmeckt, der im Aufguss nicht bitter wird! Eine Mission impossible! Die Teebauer in Guangdong sagten immer, Dancong muss bitter sein! Ich sah diese Antwort nur traurig an. Ich sah Regen, Schneefälle und steilen Berghänge…

 

Manchmal bekam ich Muster und schickte nach Taiwan. Mein Lehrer gab mir immer nur enttäuschende Antworte. Ich insistierte in diesem Sommer, ich will einen Dancong Shuixian, auch wenn er nicht Deinen Kriterien nicht 100% entspricht! Er sagte mir mit ruhigen Stimme, „Menglin, Du kannst nicht mehr zurückgehen, wenn Du bereits auf einen Weg gehst. Wir können nicht mehr zurück auf das andere Niveau.“ Im Herbst bekam ich wieder paar Dancongs. Ich glaubte einen Regenbogen gesehen zu haben. In meiner Chinareise nahm ich diesen Tee nach Taiwan und bat meinen Lehrer ihn zu rösten. Anfangs war er sehr kritisch und meinte, ich würde Geld verschwenden. Ich kaufte 5 Kgs. Nach der Röstung war nur noch 4,2 Kgs. Das Ergebnis war eine Überraschung. Er war entzückt von seinem eigenen Werk! Dieser Shuixian dunkel in Farbe, leicht im Gaumen; Süß im Duft, lieblich zwischen der Zunge, fruchtig wie ein Longgan oder Lychee, spritzig herb und zugleich gehüllt von Geschmeidigkeit und Vielschichtigkeit. Wie ein Regenboden schließt er das Herbe und das Liebliche, das Leichte und das Schwere in einem, das Nähe und die Ferne zusammen. Der Vergleich vor und nach der Röstung macht einen klar, dass die Röstung eine Kunst sein muss, aus einer Raupe zu einem Schmetterling zu verwandeln, aus dem Regen zu einem Regenbogen zu verzaubern!

Ich wollte diesen Tee nicht verkaufen, vor allem nicht einfach so, dachte ich. Oder ich muss noch mehr haben. Dann rief ich meinen lieben Bruder an und er sollte mir welchen aus Shanghai nach Taipei transportieren, damit er von Meisterhand geröstet ist. Mein Bruder tat es tatsächlich, er kaufte einen neuen Koffer vor seinem Abflug, um diesen 5 Kilos zu transportieren. Was ein Bruder einfach für seine Schwester tut! Nur 5 Kilos, mehr gab der Teebauer einfach nicht mehr her.

Nun warte ich jeden Tag auf die Post, die mir den Regenbogen bringt. Wenn die schweizer Post es wüsste, würden sie vielleicht noch mehr Zoll auf dem Regenbogen schlagen?

Wenn es regnet, freue Dich auf den kommenden Regenbogen!

                                                                                    

03/9 Da Hongpao 2008

Der Herzen weich klopfende Da Hongpao 2007 ist komplett ausverkauft – seit einem Monat. Einen Jahrgangsdahongpao zu suchen war mir lästig. Lästig, weil eine Erwartung zu erfüllen im Wege steht.

Meine Ungeduld war von Geburt an nicht zu übersehen. Einmal provozierte ich meinen Vater so sehr, dass er mich als Säugling auf den Boden warf. Denn meine Mutter war zu langsam mich zu stilen. Wünsche nicht ins Leben umzusetzen könnte ich nie lassen. Dinge, die stockend kreisen, machen mich oft fertig. Diese Art des Umgangs stößt oft beim Tee an der Grenze. Weil Tee unberechenbar ist. Die Suche nach einen einfachen und guten originalen Da Hongpao 2007 war schwer genug, und nun einen, der mindest so gut ist wie der letzte…

Das Business mit dem Tee ist eigentlich eine Männerwelt. Es hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit der vorhandenen Arbeitsstruktur. Die Event Olympia hat alle Transport aus China durcheinander gebracht. Die Verspätung bringt das Lieferplan durcheinander. Das mangelnde Bewusstsein von sorgfältiger Verpackung in China sorgt mir oft Wutanfall. Ich kann es nie ertragen, wenn eine Lieferung von mit Mühe und Anstrengung hergestellten Top-Teesorten halb kaputt nach Europa ankommt. Alle Mühe und Sorgfalt des Teebauers und Teemakers, meine Hoffnung, meine Mühe und meine Kraft, um einen guten Tee zu finden werden in diesem Moment für nichtig geklärt. Weinen kann ich in diesem Moment nicht, aber Wut sprudelt. Aus Wut und Emotion mache ich meistens nichts. Wenn die Welle vorbei ist, schreibe ich ein sachliches Email, um dem Lieferant klar zu machen, dass das Geld nicht ankommt. Hoffentlich sind sie scharf auf das Geld, dann wäre diese Methode gut, um guten Tee vor Grobheit des Arbeiters zu retten. Chinesen sprechen gerne in Taiji-Stil - einen Kreis in der Luft um die Sache malen und hoffen, dass der Geschäftspartner nachgibt und sich outet. Von einer Frau erwaten sie eine "anmutige, anschmiegsame" Art. Leider kommen sie mit ihrer Art bei mir nicht weiter. Es fällt einem in dem Moment schwer sich klar zu positionieren – denn man muss wissen, was man will und ehrlich zu dem, was man für richtig hält, aber auf Dauer vereinfacht dieser klare Umgang die Zusammenarbeit. Gute Arbeit wird belohnt, schlechte Arbeit gibt es kein Geld. Diskussion und Missverständnisse werden gespart, während Respekt wächst.

 

Die Jagd nach einem guten Tee kann nur gut laufen, wenn der Lieferant in China Respekt vor dem Publikum im Westen hat. Wenn das Respekt mangelt, könnte irgendein Longjing als Original Longjing angeboten werden. Ein Konsument hier könnte es nicht wirklich überprüfen, dass die Angabe der Originalität stimmt. Wenn meine Arbeitsweise nicht klar wäre, wäre dieser Brücke nicht möglich. Man weiß, was man von einander zu erwarten hat. Auf dieser Basis entsteht Vertrauen und Respekt, was beide Seiten wohl tut. Das ist eigentlich das, was wir beim Menschen und im Leben suchen.

Da Hongpao, der bekannteste Felsentee in Wuyishan. Bekannt für seine Heilwirkung - Stoffwechsel anregend und entschlackend. Menschen, die Energie bräuchte für Kopf und Kraft, könnte von diesem Tee unterstützt werden. Die beste Zeit, Da Hongpao zu trinken, ist nach einer Mahlzeit oder morgens - nur nicht im leeren Magen.

Drei Da Hongpao wurden degustiert. Da Hongpao 2007, Da Hongpao 2008, Da Hongpao 2006 von Mingcha. Der Felsengeschmack kam von Mingcha am undeutlichsten zum Ausdruck, während die anderen beiden Da Hongpao ihn eindeutig zeigten. Fruchtig in der Zunge, leichtblumig und süss in der Nase, starke Röstung manifestiert der 2008er in der kräftige Farbe. Der langhaltige Abgang voller Felsennote und klärender Herbe. Ich spürte, wie die Augen klarer werden und Wirbelsäule sich richtet. Das schönste und faszinierendste Moment! „Das ist es!“ Der 2007er ist lieblicher, weicher und anmutiger – durch die Lagerung. Der 2008er ist im Vergleich wilder, gerade und kompromisslos. Seine klare Position macht ihn wirklich zu einem Felsentee!

30/6 Der Herzen weich klopfende Tee

Ich liebe Duftrosen und Päonie. Es sind fast die einzigen Blumen, die ich mir selbst kaufe und vor meinem Computer hinstelle. Ansonsten überleben nur grüne Pflanzen bei mir. Als die Orchidee am Fenster wunderschön blühte, nachdem ich aus meiner letzten Reise zurückkam, war ich sprachlos. Es ging ihr wohl besser ohne mich. Eigentlich war Orchideen mein Spiegelbild, er will keine besondere Pflege und will nur "richtig" behandelt werden: keine direkte Sonne, ab und zu Wasser und einen ruhigen Ort. Sie blühte und blüht. Ich bewundere diese Pflanzen und verstehe, warum Chinesen ihn verehren. Unabhängig, aufrichtig und zufrieden in seiner Einsamkeit, allein am Fenster.

Viele Beschreibungen von Tee werden mit Orchideen assoziiert. Orchideen strahlen ebenfalls einen besonderen Impuls aus, ich will ihn nicht als Geheimnis bezeichnen - denn es ist nicht esotherisch, aber exotisch. Es ist etwas, dass man sich angezogen fühlt und hinter dieser Erscheinung nachforschen möchte. Dieser Charakter entspricht dem Wesen des Tees.

Anfangs Juni fallen Blüte von meinem prächtigen Orchideen. Aus irgendeinem Grund, wegen der Hitze, wegen mir(?) fallen alle Blüten alles auf einmal. Sie lagen traurig auf dem Schreibtisch, verwelkt, vereinzelt und tot. Ich roch diese Blüten, ihr Duft war noch präsent, süß, marzipanartig und konzentriert. Schlagartig erinnerte dieses Moment mich an Da Hongpao – Felsenknochen und Orchideenduft. Knochen ist das, was wohl zum Schluss in unserem Asche noch übrig bleibt. Was hinterlässt denn ein verwelkter Blume in dieser Welt, wenn nicht sein letzter leiser Seufzer des Duftes? Konzentriert und süß.

Romeo erzählte mir in Berlin, wie sehr er den Da Hongpao schätzte. Ein Tee, um Herzen weich zu klopfen, meinte er. In vielen schönen Begegnung teilte er diesen Tee mit interessanten Menschen und er merkte, wie sie offener und herzlicher werden. Gäbe es tatsächlich so einen Tee, der Herzen weich klopfte? Es ist wohl der Duft der Orchidee und die Aufrichtigkeit der Felsenknochen. Oder, man realisiert plötzlich im Hier und Jetzt, jede Begegnung ist an sich einmalig. Diese Einmaligkeit ist nicht zeitlich oder räumlich zu verstehen. Im Taoismus und Buddhismus wird es als ein Ideal betrachtet, dass Menschen sich ohne Vergangenheit und Zukunft begegnen. In der Gegenwart teilen wir die begrenzten Zeit und Raum ohne zu wissen, wie das Leben uns wohin führt. Der Gegenwart zählt. Nur der Gegenwart wird oft erst realisiert, wenn er schon längst zur Vergangenheit wurde. Und die Erinnerung ist, ähnlich wie das letzte leise Flüstern der Blume, süß und konzentriert.

Christine in Berlin schloss ihr Auge, als wir zusammen den Da Hongpao tranken. Unbeschreibbare Gefühle und Bilder wurden wach gerufen. Ich liebe diesen Tee, weil er tatsächlich fremd ist, tatsächlich vielschichtig ist und mich einfach ganz gefangen nahm. Ein Impuls, aufrichtig zum Leben und zu Gefühle zu stehen, strömte durch den Körper und der Gegenwart wurde klar.

Die Orchidee verlässt mich nicht. Sie blüht nun wieder prächtig. Vielleicht um mich in dieser Phase begleiten, oder er blüht einfach so, ohn Willen.

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