13/5 Lishan 2007 梨山碳培 - Duft der Holzkohle

Stephan rief mich morgens an und fragte, ob ich mich gerade von Pfingsten erholen musste. Erholen von Feiertagen? Nein, ich arbeitete über die Feiertage. Freizeit? Ich habe keine Freizeit. Ich mache das gerne, was ich mache. Eigentlich habe ich nur Freizeit.

Das Leben meines Lehrers in Taipei bestehe nur aus Freizeit, behauptete seine Frau auf der gemeinsamen Reise nach Mingjian. Ich war nicht sicher, ob sie sich über ihn beklagte.

Auf der Reise hatten wir einen wunderschönen Tee, der mir unbekannt war und deswegen noch spannender schmeckte. Sein Name wurde nicht verraten. Ich weiß immer mehr, dass es viele versteckte Geheimnisse des Tees in diesem Menschen gibt. Er erzählte es nicht und ich musste es auch nicht ansprechen. Ich sagte ihn, "Oh, ich schmeckte Honig, Blumenwiese und Hochlandsluft! Aber die Holznote ist so dominant, war es ein Fehler!" "Nein, nein. Das ist Holzkohle-Geschmack!" er schmunzelte. "Eigentlich ist er mein privater Tee! Unverkäuflich!" Selten findet man solch Material aus Lishan - Qingxin Oolong von Insekten befallen! Das ganze wurde noch an einem sonnigen Tag gepfückt und verarbeitet! "Solche Dinge darf man im Leben nicht verpassen." sagte er am Steuer, "Irgendwann muss Du so weit sein, wenn Du einen Tee trifft, weiss Du, was aus ihm werden kann. Dann behandelst Du ihn entsprechend." Er behandelt ihn entsprechend dirket über glühende Holzkohle über 120 Grade! Er bat mir, ihn aufzubewahren, seine Reife zu erleben.

"Mein Mann hat nur Freizeit," erzählte seine Frau mir, "er ist ansonsten so lahm. Nur wenn er mit Tee und Photographieren zu tun hat, ist er wieder ein Mensch." Er brauche keine Freizeit, weil er immer frei sei. Sein Ruhm und Bekanntheit bringe ihr nichts, weil er diese Welt spielend durchquere. Sie verdient ihr Geld, zog den Sohn auf und sah zu, wie er in der Teewelt sich frei spielend bewegt, wie ein Narr.

Ich hörte plötzlich den Ryokan (ein japanischer Dichter) leise singend:

"Spielend, ja spielend,

Durchquere ich diese fließende Welt...

Ist es da nicht gut, die bösen Träume anderer Menschen zu zerstreuen?"

Er und ich hörten ihr zu und schwiegen. Den Tee wurde immer wieder serviert - von ihr. Sie interessiert sich nicht für die Namen des Tees, nur für diesen Tee, den er für sie macht. "Einen guten Tee." sagte sie. Süss wie honig, elegant wie die Höhe des Berges und holzig wie der Duft des feuchten Tannenwalds. Diese Kombination ist einzigartig. Ich hätte nie gedacht, so etwas zu begegnen.

Als ich zum ersten Mal seine Frau sah, konnte ich nicht fassen, wieso eine so schöne Stadtdame mit einem "Bauersohn" verheiratet sein kann! Diese Kombination war mir geheimnisvoll. "Er dachte, dass ich in ihn verliebt sei, weil ich ihm gegenüber immer sehr freundlich war - dabei war es meine Erziehung." Als sie zum ersten Mal mit seiner Schwester Mingjian besuchte, war sie verliebt in diesem Ort, sagte sie. Er war ein guter Fremdenführer. "Ich sehe ihn so gerne hier. In Taipei bleibt er wegen mir und unserem Kind. Aber er ist hier sich selbst." Sie lächelte wieder und zeigte mir das alte Haus, wo sie ihre Hochzeit verbrachten. Ein typisches Formosa-Haus, wie das von meiner Großmutter auf dem Pamelo-Garten aus roten Backstein und roten Ziegel. Die Sonne schien.

Das alte Haus in Mingjian

Während wir in Mingjian unterwegs waren und beschäftigt hin und her rannten, sass sie geduldig im Wohnzimmer von Aming und wartete. "Langweilst Du Dich nicht?" fragte ich mit einem schlechten Gewissen. "Nein, ich bin glücklich." das erzählte eine wartende Frau? Sie wartete, weil er das tat, was er gerne machte. Sie strahlte Ruhe und Zufriedenheit aus bei einem Tassen von Insekten befallenden Lishan 2007, der auf Holzkohle behandelt war. Ein Tee, eigentlich schwer zu verstehen ist. Süss, elegant aber holzig. Nach Karamel, nach Blüte, nach Kardamon und nach Waldholderbeeren (die leichte anfängliche Duftnote von Waldholder) oder nach Muskat. Zugänglich und abweisend zugleich. Wer will schon so eine komische Kombination probieren, wenn man einen richtigen Hochlandsoolong Lishan hat? Ich verstand ihn nicht wirklich, wollte unbedingt welchen mitnehmen. Weil ich dachte, dass ich auf ihn warten kann und ihn auch verstehen könnte. Vielleicht erst in paar Jahren.

Als Jörg aus Frankfurt kam, als Jürg und Carola zum Essen waren, als Romeo vor seiner Abreise mich besuchte, waren sie alle entzückt von dieser Kombination. Eigentlich habe ich nur für mich gekauft um auf ihn zu warten und für die Besucher aus der Ferne aufgegossen ohne ein Gedanke zu haben. Sie wollten unbedingt ein bisschen von ihm. Ein bisschen von meinem seltsamen Lehrer, der spielend in dieser Welt mit Tee durchquert. Oder ein bisschen von dieser liebvolle sonderbaren Kombination...

Nachtrag: dieser Tee hat vier "Extreme (Raritäten)": die höchte Lage des Teeanbaus auf Formosa - 2600 M.ü.M.; von Fruchtfliege befallenen Blätter, die sonst aussortiert werden. Denn es erschwert die Herstellung, diese Art von Blätter zu verarbeiten; einen sonnigen Tag im Hochlandgebirge im Oktober 2007; Übers Holzkohle geröstet von einem von den "besten" Tee-Önologen auf Formosa.

02/5 Der eiskalte Oriental Beauty - Tee im heissen Tag II

Im Sommer 1904 erlebte man auf dem Expo in St. Louis die unerträgliche Hitze einnes Rekordsommer. Der Teestand, dessen Aufgabe Amerikaner vom Grüntee zum Schwarztee verführen sollte, konnte kaum Publikum zum heissen Schwarztee überzeugen. Richard Blechynden musste dringend eine Idee finden, um seine Mission zu retten. Er schüttelte Eis in den heissen Tee, der sekundeschnell gekühlt wurde und sofort rege Zulauf fand. Das war der Anfang des Eistee.

1980 war der Verbrauch vom Eistee mind. dreifach höher als der heisse Tee. Lu Yu hätte wohl nie gedacht, als er Cha Jing schrieb. Er hätte nie gedacht, dass man aus dem heissen Zaubertrank zum kalten Durstlöscher revolutionieren würde. Er hätte nie gedacht, dass diese Verwandlung ein riesen Bussiness versprechen könnte!

Für einen Fossil-Chinese ist der Genuss mit eiskalten Dingen immer mit Vorsicht geboten. Aber in der modernen Zeit ist der eiskalte Genuss ein Versprechen von Frischen und Fortschritte.

In Taiwan wird Tee im heissen feuchten Sommer auch gerne kalt getrunken. Unser Rezept wäre: 2 Liter Wasser im Zimmertemperatur und 30g Oolongtee mischen. Direkt in den Kühlschrank 6 Stunde ziehen lassen. Die Teeblätter werden danach gefiltert. Der fertige Tee könnte man für 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Mein Lehrer in Taipei hat am liebsten den eiskalten Oriental Beauty im unerträglichen Taipei-Sommer. Die honig Note und feine fruchtige Nuance vertreiben die nervigen Hitze und Plage sofort aus dem Kopf. Was bleibt, ist der königliche Genuss wie die einstige Viktoria!

Wenn man gerne das Volkssport im Mitteleuropa treibt, könnte man den Eistee im Eisfach kühlen lassen. Vor der Abreise zum Wandern wickelt man ein Tuch um die Plastik-Flasche. Bei der Wanderung taucht der langsam auf und das inzwischen eiskalte Tuch gleicht den Genuss von Osibori (ein Tuch für Kunde um sich zu erfrischen, meistens eiskalt oder heiss) in einem richtigen japanischen Restaurant!

Natürlich könnte man den königlichen Genuss bis ins Details nachmachen. Zucker im Tee war die Machtdemonstration der einstigen Zeit. Das goldwerte Zucker und der rare Tee aus China präsentierte eine Mischung von dem außerirdischen Genuss und der Sehnsucht nach Paradies. Heute ist jeder der König in eigenem Schloss und der königliche Genuss ist heute richtig volksnah!

16/4 Formosa Dongding 1977

Das Flug war nicht ohne Turbelenz. Ich bin angekommen, aber mein Kopf ist irgendwo noch hängen geblieben. Vielleicht weiss er, dass er wo anders mehr Spass hat als im kalten Europa.

Da mein Kopf nicht mitkommen wollte, vergass ich in Zürich-Flughafen meinen zweiten Koffer. Wie könnte es so etwas passieren? Ich war nur fixiert auf einen schweren Koffer, der mehr als 30kgs wog und dachte nur an die Person, die seit zwei Stunde vergeblich auf die Landung wartete. Das Flugzeug hatte eine Panne beim Starten und es verursachte eine brutale Verspätung. Ich bekam ziemlich schnell den schweren Koffer, schnappte meinen Suntorys und versuchte so schnell wie möglich und so harmlos zu erscheinen, um das Zoll zu passieren. Erst am nächsten Morgen beim Aufwachen merkte ich, dass ein Kofferchen vergessen wurde! In diesem Koffer sind viele Sehnsüchte eingepackt! Sehnsüchte von Jörg, von Hans und Madleine etc. Den Dongding 1977 wurde liegen gelassen! Was würde dann passieren, wenn der Koffer einfach in den Menschenmenge verschwinden würde? Ich stellte mir es vor, wie Jörg seufzte.

Aber der Dongding 1977 will unbedingt zu mir mitkommen, bzw. auch zu Jörg nach Frankfurt. Ich fand ihn wieder in Lost and Found. Der Mann lachte mich aus, dass ich wohl meinen Kopf nicht nach Zürich mitnahm. "Sie haben vollkommend recht. Mein Kopf hat mich verlassen. Er mag Zürich nicht. Einen schönen Tag!" wünschte ich ihm. Die Dinge suchen uns aus, nicht umgekehrt - das bin ich überzeugt.

Heute fand ich endlich Zeit, diesen zu uns gefundenen Dongding 1977 aufzugiessen - mein letzter Tee war ein Hongyu in Taiwan bei meinem Lehrer. Er testete mich mit drei verschiedenen Hongyu, der Preise 2007 gewannen. Ich wurde aufgefordert, die drei Tees zu plazieren. NATÜRLICH bestand ich den Test. Ich liebe diesen Hongyu (ein Schwarztee), der leicht nach Zitrus und Pfefferminz duftet und eine Mandelmilch-Note hinterlässt.

Dongding 1977 ist hervorragend gelagert - sehr sauer, kein Fremdgeruch, so dass man die Verwandlung eines 30 jährigen Tees sehr gut beobachten und erleben kann! Die salzige pflaumige Noten präsentieren uns die typischen Dongding-Note und sind markanter als der Dongding 1981. Der Aufguss fließt seidig in den Mund und bildet eine starke Oberfläche-Spannung. Fast wie Liquor. Nach 20 Minuten verflog das Pflaumige (wie Umeboschi), bleibt nur das leicht nach Biscuit ohne Vanilin duftende Nuance (vielleicht würde ein Deutsche es als brotig behaupten?) Der Aufguss ist sehr dezent, sanft und wirkt wie Balsam im Gaumen. Schmecken tut er nicht mehr auf der Ebene wie ein frischer Oolong, der aktiv und aromatisch ist. Er schmeckt sehr zurückhaltend und noch leicht fein pflaumig. Mit der Wortschatz von Zhou, Yu, er würde sagen, dass das Qi von diesem Oolong uns beruhigt und Frieden bereitet. Mein Lehrer mag solche Kommentare nicht. Er sagte mir lediglich, dass dieser Tee uns einen feinen eleganten Dongding präsentiert, der einen Höhepunkt des Tee-Erleben ermöglicht. Wenn man das Mögliche an einem Oolong erleben und erfahren möchte, würde man an diesem Tee nicht vorbei kommen.

Auch der Fondmanager will ihn nicht verpassen, aber er will diese rare Chance für sich behalten. Er sagte vor einer Woche zu mir, dass die geliebten Tees seine Konkubine seien. Konkubine hebt man eben auf, um sich zu vergnügen und seine eigene Machtstellung vor anderen zu präsentieren anstatt sie zu verehren.

Dongding 1977 wartet auf seinen Kenner. Ich habe nicht viel vor dem Fondmanager retten können.

08/4 7. 4. 2008 in Mingjian II

 

FormenTee erhitzen, um Blatter weich zu machen. Dann koennen weiche Blatter geformt werden.

7.15 am 7.4.2008

Ich wurde geweckt. Eigentlich war ich frueher wach. Die Voegel waren so laut. Aber sie verstand, dass ich ein Fremde war und besuchte mich nicht.

Als ich unten vor dem Hof war, fragte mein Lehrer mich sofort, bevor er mich gruesste: "was riechst Du?" Ich fuehlte mich ueberfahren! Was sollte ich denn riechen. Ich hatte Hunger und war nicht wach. Also was sollte ich denn riechen? "Honig?" Er freute sich, "was noch?" "Ich weiss nicht!" "Pfirsich!" Ach! Der Phoenix! "Ist er schon fertig? Warum habt ihr mich nicht geweckt?" "Das riecht man doch, wenn man aufmerksam ist!"

Der alter Chen pflueckte gestern den allein stehenden Phoenix Baum und erhitzte ihn heute morgen um 6 Uhr in seinem Wok in der Kueche. Dann rollte er mit seinem Fuessen die erhitzten Teeblaetter, wie seine Vorfahren. All das habe ich verpasst! "Du haettest mich wecken sollen!" ich war sauer. Die zwei alten Maenner fanden es lustig.

PhoenixDer alte Chen pruefte seinen Phoenix, wie weit das Welken schon fortgeschriten war. 6.4.2008 16.50

Der Phoenix lag bereits im Ofen. Wir fuhren weiter zu Aming.

8.00

Aming schlief, waehrend seine Frau arbeitete. Ein junger Mann war dabei, ihr zu helfen. Ein Formenmeister. Mein Lehrer liess unseren Tee nicht formen. Er vertritt der Meinung, dass das Formen eine Kosmetik beim Tee ist. Nutzlos. Ausserdem teuer.

Formen 3 

Formen 2

Die heissen Teeblaetter werden in einem Sack gefuellt und dann stabilisiert. Anschliessend in der Maschine gedreht. So, koennte der Tee eine Kugelform bekommen. Dieser Vorgang wird wiederholt bis die Form stabil bleibt. 6 Stunde beansprucht es. Danach wird der fertig geformte Tee getrocknet und an Teelaeden verschickt. Heute wird der Tee einfach weiter verpackt und verkauft. Mein Lehrer verarbeitet nach der Tradition weiter mit Roestung.

Jianzhi

Wenn alles fertig wurde, bevor der Tee verpackt und verschickt wurde, wurde Jianzhi - das Trennen von Stange und Blatt getaetigt. Furher machten die Haende und Augen der Frauen, die sich treffen und quatschen. Heute benoetigt man nur eine junge Frau, die schweigend ihre Arbeit macht, wenn der Computer uebersieht. Das ist Fortschritt.

14.00

Der Phoenix von dem alten Chen wurde fertig getrocknet. Wir packten ihn fuer die Rueckkehr mit. Der erste Aufguss dieses Tees tranken wir im Auto! Obwohl er noch nciht geroestet ist, schmeckte er bereits hervorragend! 

16.50

Ich kam endlich nach Hause.

16.00 am 8. 4. 2008

Die Leute packten fuer mich die neusten Ernte von Biluochun. Ich half sofort mit. "Du bist da! Ich schimpfe gerade ueber Dich." "Warum denn?" "Sie hatte keine Kraft und konnte nichts Anstaendiges machen." sagte mein Lehrer zu anderen. "Im Europa muss Du zum Fitness-Zentrum gehen. Im November schicke ich Dich eine Woche nach Lishan. Dann muss Du richtig arbeiten." "Aber" ich meinte es wirklich ernst, "was machst Du dann mit dem Tee, den ich mache? Diesen Tee kann man doch nicht trinken!"

08/4 7. 4. 2008 in Mingjian I

23.30 am 6.4.2008

Ich schlief im Xiangxiangs Zimmer. Er war bereits mit seinen Eltern nach Taichung gefahren. Es gab sehr viele Geraeusch in dieser Nacht, die ich laengst vergass und nun alles sehr praesent wurden. Auch ich war ein Kind unter den Pamelo-Baeumen und spielten mit der Erde und Frosch. Die Erinnerung wurde hell: das verfluchte Grundstueck meiner Grossmutter, mein verstorbener Onkel und seine Mangos und meine Mutter, die ihren Vater nie erlebte und allein in Taipei unter den Fremden lebt. Irgendwann schlief ich ein.

Fermentierte BlattgutFermentierte Blattgut. Wenn die Fermentation genuegend war, sollten die blaetter nun nach Honig und Fruechte duften.

00.00 am 7.4.2008

Ich wurde geweckt und sprang aus dem Bett. Die Nacht war leicht kuehl, sehr angenehm. "Bist Du muede?" fragte ich. " Nein, wenn ich weiss, dass der Tee gemacht wird, bin ich immer fit." antwortete mein Lehrer. Er fuhr zu Aming, unser Teemaker. Er schlief wohl noch, das Licht war noch aus. Dann fuhren wir weiter zu anderen. Die Teemaker in Mingjian schliefen in naechsten Tagen nicht mehr. Wir gingen zu einer Powerfrau, meinte er. Diese Powerfrau ist juenger als ich, kraeftiger und flink! In dieser Nacht musste sie 800 Kg Tee erhitzen und verdiente dabei 150 Sfr. Und in naechsten paar Wochen wird sie wohl nachts nicht zum schlafen kommen.

Erhitzen

00.30 Erhitzen (Shaqing)

In einer heissen Dampf-Maschine werden die gewelkten fermentierten Teeblaetter erhitzt, um den Fermentationsprozess zu stoppen.

Aehnlich wie bei Kaffeebohne in der Kaeffeeroesterei werden die Teeblaetter unterschiedlich erhitzt - bei der Industrieproduktion, wie die Powerfrau machte, war die Temperatur ueber 200 Grad und nur 10-15 Minuten. Viel zu heiss und zu kurz, meinte mein Lehrer. Bei Aming, ist es nur ca. 150 Grad, aber dafuer laenger.

Diese Powerfrau zu fotographieren war unmoeglich. Sie vermied mein Blitz und meinte, dass sie nicht schoen sei. Ich lachte und vertsand es, weil ich auch so ueber mich denke. Aber ihre Arbeit machte sie schoen, speziell, einzigartig. Ich haette sie gerne portraitiert, wie sie in dieser Maennerwelt einen Platz behauptet - DIE Frau fuer die groesste Teeproduktion in diesem bekanntesten Teedorf. Sie schaffte mit vier anderen maennlichen Kollegen in dieser Nacht zusammen und sie spielte die erste Geiger.

00.45 waren wir bei Aming. Er war mit einem Kollegen bei der arbeit. In seiner kleinen Teeproduktionsstaette schafft er mit seiner Frau und zwei Soehnen, die nur beim Welken helfen. Seine Frau machte mit einer anderen Frau bei Xiaolang und Dalang. Dann ging sie schlafen. Er wurde dann geweckt, um die weitere Schritte zu leiten.

In dieser Nacht musste er die fermentierten Teeblaetter erhitzen, rollen und die 1. Trockenung feritgstellen. Morgen um 6 Uhr kommt der teuer bezahlten Formen-Meister, der alles zum Rohmaterial zu Ende verarbeitet.

Powerfrau

Rollen - um den Saft der erhitzten Teeblaetter zur Oberflaeche zu bringen. 1. Trockenen dient dazu, um die Teeblaetter so zu stabilisieren, dass man in paar Stunde weiter verarbeitet. Erhitzten, Rollen und 1. Trockenung finden gleichzeitig hinter einander statt. Darum werden mindestens zwei Arbeitskraefte benoetigt.

Rollen Rollen

Unser Tee wurde erst gegen 3 Uhr ehitzt. Die Fermentation war mindestens 3 Stunde laenger. Den Tee kaufte mein Lehrer von dem Teebauer ab, der seinen Tee gleichzeitig machen liess. Er wollte mir aufzeigen, was Dalang und Fermentation bei der Produktion entscheiden koennte. Unser Tee war 15 Minuten laenger unter Dalang (grosses Schuetteln) gelaufen, waehrend der Teebauer nur 15 Minuten haben wollte. Er wollte nicht einen ungewoehnlichen Tee. Amings Frau sagte mir, dass mein Lehrer immer eine andere Vorstellung hat. Die meisten Leute wollten nicht warten, nur er wollte warten. Das Warten bedeutet Geld ausgeben in Mingjian.

1. TockennungTrocknen

Warten auf die Zeit, die sich lohnt, zu warten.

Als ich gestern morgens in das Dorf ankam, sagte mein Lehrer bereits zu mir, was ich lernen werde. Er sagte, Warten und Vertrauen.

Warten, auf die Zeit, die wert ist, zu warten. Warten bis die Teeblaetter Dir sagen, "ich bin so weit."

Vertrauen auf die Teeblaetter, was sie dir sagen. Vertrauen in Deine Nase, die sagt, was Du riechst. Vertrauen in Dein Wissen, was Du von Tee weiss und willst. Die anderen wollen andere Dinge haben als Du, aber Du hast Vertrauen in Dein tun. Er sagte mir, dass es eine Sucht sei, Dinge zu haben, was alle haben und schon immer haben (meine Kaffeesucht). Vertrauen ist etwas anders. Vertrauen zu haben sei romantisch, meinte er. Vertrauen in die Ungewissheit, um vom Gewoehnlichen abzubrechen und um etwas anders zu ermoeglichen.

01.30 er liess mich immer noch nicht schlafen. Er holte bei drei verschiedenen Produktionsstaette bereits die ersten Teeproben. Ich musste ihm noch sagen, was ich roch.

Gestern wurde ich bereits zu verschiedenen Fruechten und Blueten gefuehrt, um die Duefte richtig zu speichern. Bei jeder Schritt der Produktion musste ich ihm sagen, was ich roch. Roch es bereits nach Blumen? Nach Fruechte ? Nach Honig? Alles haben eine Bedeutung bei der Produktionsproezesse.

Vor den drei Tassen sagte ich ihm, was mir am besten gefiel und was nciht stimmte. Er kommentierte dann, warum.

1.50 fuhr er mich endlich wieder nach Hause. 2.05 lag ich auf dem Holzboden-Bett. Die Kindheitsgeraeusche liess mich nicht gleich einschlafen.

Um 6 Uhr sollte es weiter gehen.

 

07/4 6. 4. 2008 in Mingjian

Welken Sonne

6. 4. 2008 13.40

Bevor wir ankamen, waren bereits eine Ladung von 12 Uhr Pflueckgut auf dem Boden verteilt. Ueber das Pflueckgut wurde bedeckt, um die starke Sonne zu harmonisieren. Damit das Blatt langsam die Feuchtigkeit verliert. Mein Lehrer zeigt mir, wie die Blaetter aussahen: eine Partei nach 40 Minuten Welken und eine andere, die gerade anfing.

Ruhen

14.50 Innen Welken und Ruhen

Die zweite Ladung wurde in die Innenraeume getragen und auf dem Boden ausgelegt. Um Plaetz zu sparen, wurde das Pflueckgut auf dem Korb umverteilt. Die Pflueckgut verlieren weiter die Feuchtigkeit im Blatt auf eine sanfte Art. Den Zeitpunkt zu entscheiden, wann man diesen Prozess stoppt, haengt mit dem dortigen Wetter zusammen. Die Haende spueren und die Nase riecht, wie weit die Blaetter sind. 

Ruhen MLEine harte Arbeit!

15.30 Xiaolan - das kleinen Schuetteln

Xiaolang

Im klimatisierten Raum - Teeproduktion ist inzwischen ein kapitalintensives Faktor geworden. In gekuehltem Raum koennen die Teeblaetter langsam die Feuchtigkeit verlieren. Durch diese kleine sanfte bewegung werden die Verlust der Feuchtigkeit beschleunigt und auch um eine Regelmaessigkeit zu erzielen. Die Bewegung sollte sanft sein - wie immer beim Tee. Im Bild machte diese Dame zu grob, meinte mein Lehrer - und ich dufte keineswegs probieren.

20.20 Da Lang - das Welken stoppen und grosses Schuetteln des Blattgutes

Ein Prozess um die Fluessigkeit der Blaetter regelmaessig zu verteilen und um die Raender leicht reiben, die Fermentation vorzubereiten.

Dalang

Was ich machen dufte, war die schwere Arbeit, das Blattgut umzuverteilen oder irgendwohin zu transportieren. Bei dem grossen Schuetteln, das das Welken endgultig stoppt und die gebliebene Feuchtigkeit in Blaetter regelmaessig verteilen laesst, duftet der Tee bereits wie ein Duftmeer! Ich hockte vor dieser Maschine und vergass wo ich mich befand. 

dalang 2

Nach knapp 30 Minuten wurde ich geweckt. Es ist die Zeit zum Essen und ausruhen. Der Tee ebenfalls. Nun findet endlich die Fermentation statt.

Um 00.50 geht es weiter. Bevor es weiter geht, duschte ich mich und ging kurz schlafen.

07/4 In Mingjian als Teepflueckerin

Die Tage in Mingjian sollten mich lehren, wie ein gewoehnlicher Formosa Oolong gemacht werden. Mein Lehrer ist streng und ich konnte mich nicht krank machen.

Das Erste, was ich machen musste, war Tee pfluecken. Das machen heute in Taiwan eigentlich nur alte Frauen und importierte Heiratskandidatinnen.

Mir wurde ein Strohhut gereicht. Der alte Chen lachte ueber mein Outfit. Seine Frau war bereits seit sieben Uhr am Feld. Xiangxiang, sein Enkelkind klebte an mir und wollte mit zum Pfluecken gehen. Das Kind ist ein richtiger Frauenheld. Er gruesste mich mit dem Satz : "A-Yi, Wo Ei Ni!" (Tante, ich liebe Dich.) Alle lachten und er klebte an meine Hose. Wenn er zum Toilet ging, musste ich mitgehen und sein Po putzen - dabei beschwerte er sich, dass seine Mutter viel besser macht.

Haus Chen

6. 4. 2008, Sonntag 12.00

Xiangxiang zeigte uns wo seine Grossmutter arbeitete. Wir fragten ihn, wie wusste er, wer seine Grossmutter war, weil sich alle Pflueckerin gleich kleideten. Er antwortete mit einer Selbstverstaendlichkeit, "Ich rufe, Ama (Grossmutter auf Taiwanesisch) und Ama wird mich rufen!" Die Ama arbeitete bereits sehr hart. Sie war von oben bis unten bedeckt und hinter ihrem Ruecken hing noch eine Schnurr mit einem Hocker! Xiangxiang klebte an seine Grossmutter und fragte, wann sie ihm ein Eis kaufte. Er ruehte die Pflueckgut-Sack aus Anteilnahme und fluesterte immer wieder zu ihren Ohren.

Xiangxiang

Ich versuchte so schnell und gut zu sein wie die anderen Frauen. Keine Chance. was ich nachmachte war falsch, meinte mein Lehrer. Er zeigte mir, wie ich richtig machen sollte, um schnell, sicher zu sein, ohne das Pflueckgut zu verletzen! "Du muss die Teeblaetter so anfassen, wie Du Deinen Liebhaber behandelst! Ganz sanft und sorgfaeltig." Mein Schweiss tropfte. Ich kann es nicht! "Mache weiter!" Ich bemuehte mich und zeigte ihn meinen Erfolg - er schuettelte seinen Kopf. Ich sei Hopfen und Malz verloren. Er habe noch nie so eine grobe Pflueckerin wie mich gesehen. Ich gab auf. Eine gute Ausrede - ich bin eben nicht geeignet fuer diese sanfte Aktion.

Pfluecken So muss es sein!

Meine kaffeesucht heimsuchte mich. Ich schrie nach Kaffee - fuer ihn sei es die fluessige Pferde-Ausscheidung. Xiangxiang brachte mich zum Family Market. Natuerlich gab es dort keinen gewuenschten Kaffee. Er troestete mich, dass seine Mutter mir spaeter einen machte. Dann brachte er ein Eis und sagte dabei "A-Yi, Wo Ei Ni! (Tante, ich liebe Dich.)" Ein fuenfjaehriges Kind wusste schon, wie ein Frau zu haben ist. Ich kaufte ihn das Eis und fuhr weiter zu der naechten Station - das Sonne-Welken.

Es war 6.4. 2008 Sonntag 13.30.

07/4 Oriental Beauty 2008

Der Weg zum Oriental beauty Teegarten schien diesmal einfacher und deutiger zu sein. Die Strasse war breiter, geteert und installiert mit Strassenlampe. Ich roch aus dieser Neuigkeit einen Unheil. Ziemlich schnell sah ich frisch gebaute Villen und Luxus-Wohnungen. Mein Herz wurde immer mehr verkrampfter als diese neue Siedlung endlos wurde.

Awen veraenderte sich nicht sehr viel, seit ich ihm letztes Jahr sah. Sein Sohn wurde einfach Groesser. Die Toechter sahen mich schuechternd an, als ich die Schokolade verteilte. Er fragte mich, ob ich mit der Wahl zufrieden sei. Wir kennen uns lang genug und wissen, dass wir darueber offen reden koennen. Er machte sich Sorgen. Er zeigte mir eine Auszeichnung aus China, die er fuer seine Anwesenheit bekam, als er an einer Tee-Messe in Quanzhou teilnahm. Diese Messe wurde nur fuer die Teebauer aus China und Taiwan veranstaltet. Seine Reise wurde komplett bezahlt - von der chinesischen Regierung. Der Verkauf ging schief, keine Nachfrage. Aber die Promotion fuer eine kuenstliche Teestadt war im Gang. Taiwanessiche Teehaendler und Teebauer sind herzlich eingeladen, sich dort zu niederlassen - Miete in dem ersten Jahr sei Gratis, viele Privilegien und Vorteile kommen noch dazu! "Bist Du ueberzeugt?" Er schuettelte seinen Kopf, "aber wie geht es weiter mit uns?" Die neue Regierung verspricht eine Oeffnung des Marktes und viele hoffen auf diesen neuen Markt, ein Geschaeft mit den Chinesen zu erzielen! Aber das bedeutet fuer einen Teebauer in Taiwan einen wahrscheinlichen Niedergang. Der Teeimport wird nun endlich legalisiert. Das Mischen des chinesischen Tees in die Formosa Tees wird immer eindeutiger und unaufhaltsam. Da die Tees auf dem Makrt sowieso wie alle andere Waren in der Welt immer aehnlicher werden, verschwindet wohl auch immer mehr das klare Profil des Formosa Oolongs! Der Import Tee wuerde Teeanbau auf Formosa zunichte machen - meinte er.

Seine pessimistische Haltung machte eine komische Stimmung. Warum sollte ein chineischer Oriental Beauty den originellen ersetzen koennen, wenn der originelle charaktervoll und herrausragend bleibt? In der Konfrontation mit einer drohenden Veraenderung sollten wir doch noch bewusster werden, was wir haben und wer wir sind, meinte ich. Ich bitte ihn, sich auf die traditionelle Machart zu besinnen und Vertrauen haben, dass unser Tee einzigartig ist. "Bitte insistiere das, was Du tust!" bitte ich ihn. Wenn wir selbst vertrauen in unser Tun verlieren, wie sollten wir denn weiter gehen?

In einer krisen Situation reagieren meiste Menschen mit ihren gewoehnlichen Muster, zu denken und zu handeln. Nur wenige vertrauen ihre Intuition, die ihren Weg folgen und anders als nur an Sicherheit zu orientieren und zu handeln. Es gibt noch nie einen Tee, der sein Gesicht verliert, um zu ueberleben. Es gibt nur solche beruehmte Teesorten, die Jahrhunterten ueberdauern und sein Gesicht beibehalten. Ein Longjing wurde noch nie aus einem Gruentee zu einem Oolong verwandelt. Umgekehrt bleibt er als eine Raritaet, weil er seinen Charakter beibehaelt. Die Mode kommt und geht. Probleme kommen und gehen. Auch der chinesische Tee scheinbar den Formosa Oolong bedrohen koennen, auch wenn Chinesen alles kopieren und machen koennen, wird Oriental Beauty so bleiben, wie er ist, weil er ein Oriental Beauty ist, der so und nicht anders schmeckt. So lang wir es insistieren und vertrauen auf den Tee und unser Tun haben, wird es belohnt - versichte ich ihn. Er schwieg. Ich dachte sofort an die neu hoch gezogenen Haeuser. Er sagte, dass seine Kinder eine gute Ausbildung bekommen werden. Ja, ich weiss. Sie werden wohl so leben wie ich, ins Ausland gehen und sich immer mehr von der Erde trennen. Das Land, das er nun hat, koennte auch einen anderen Zweck erfuellen - einen wirtschaftlicheren. Das ist das wirkliche Problem, das wir haben.

Ich ging weiter und nahm einen seltenen Winter Oriental Beauty 2007 mit. Mein Herz wurde schwerer. Was wartete nun auf mich in Mingjian?

 

22/3 Dongding Oolong 1977

In dem meisten Geschaeft wirbt der Kaeufer ihre potentiale Kundschaft und oft mit aggressiven Methoden. Im Tee scheint diese Beziehung nicht immer zu funktionieren. Als ich vergeblich auf den Da Hongpao wartete, bekam ich Angst, diesen Tee nicht mehr zu erhalten, weil irgendein Kaeufer den Tee vor mir wegschnappt. Er versicherte mir im Telefon, dass dieser Tee bereits versteckt wurde.

Als ich wieder in seine Tuer eintrat, wurde ich warm empfangen. Natuerlich wurde ich eingescannt und kommentiert, ob ich aelter oder dicker wurde. Gleichzeitig kam ein junger Mann in einem seidigen Anzug und es gab einen Lachanfall durch seine Erscheinung. Er kam ganz schnell in die inneren Raemen und zog seine glaenzende Krawatte aus. Er oeffenete einen Umschlag und zaehlte die frischen neuen Scheinen aus der Bank. Insgesamt 40000 Taiwan Dollars (ca. 1000 Euros) und gabe dem Lehrer Chen. Er lachte wie ein Kind. "Die erste Zahlung ist da und Du sagst mir, wann das Stop ist." Alle lachten und ich verstand nicht. "Kennst Du ML?" " Ja, klar. Zwei Male gesehen!" Ja, das stimmt, aber nie im Seidenanzug. "Du hast richtig Glueck. Sie ist so selten hier."sagte unser Lehrer. Ich fragte ihn direkt, was er mit dem Geld bezweckte. Ich roch etwas Gefaehrliches. "Weiss Du, das ist eine Salami-Taktik. Ich will den besten gelagerten Tee von unserem Meister abkaufen. Wenn ich das Geld auf einmal bringe und wenn er mir den Tee auf einmal geben muss, wuerde er es nie tun. Also ich bringe nun jedesmal 40000 Taiwan Dollars und irgendwann habe ich alles." Ich war erschrocken.

Ich war stutzig ueber seine Methode, aber konnte nichts dagegen kontern. Gleichzeitig spuerte ich mein Neid! Ich sagte mir, nicht in einen Potlatsch einzusteigen! Tee wurde ausgeschenkt, natuerlich eine Raritaet! Ein gelagerter Tie Guanyin, der auf Holzkohle geroestet wurde, der seine vergessliche Aroma in der Luft und im Tasse verstroemte. "Die meisten Menschen lieben den frischen gruenen Oolong, weil sie von dem Duft geblendet werden." sagte Chen zu ihm, in einer klaren und langsamen Stimme, " das ist aber ein Spiegel unserer Gesellschaft. Tee spiegelt unserer Seele in dieser Zeit. Es wurde philosophisch. Er war eigentlich selten so. "Menschen haben keine Zeit, mit wichtigen Dinge des Lebens auseinanderzusetzen. Sie glauben mit Geld etwas erreichen zu koennen. Tee ist anders. Tee braucht Zeit." Er drehte zu mir, "viele Tees muessen langsam in der Ruhe genossen und verstanden werden." Der gelagerte Tie Guanyin ist so ein Tee, der in der Ruhe langsam und richtig genossen werden soll. Er sagte, wie in einem Dialog mit Tee.

Der Mann im Seidenanzug packte seinen Koffer aus und zeigte uns ein paar mit Computer geschriebenen Tabelle. Wow! Er habe fast alle Buecher gekaut und vergeglichen, wie sie ueber die Teeherstellung dokumentieren. 'Es gibt so viele Wiedersprueche! Koenntest Du mir nicht korrigieren, wie es in der Tat sein sollte?" fragte ein fleissiger Schueler, der seinen Lehrer mit guten Hausaufgabe beeindruecken wollte! Ich lachte, aber nicht zu laut. Der Lehrer sagte nichts. Er holte wieder einen Tee. Ein Phoenix 1995. "Ein Tee zum Nachdenken." meinte er. Ein schwer zu verstehender Tee, dessen Duft sehr dezent war, nur eine leise von pflaumigen und honigsuessen Note. Sehr leise, nachhaltig und jedoch praesent. "Die meisten Tees sind standarisiert. Auf dem Markt koennte man nur bestimmte standarisierten Richtungen und Gescnmaecke beobachten. Das breite Spektrum des Oolongs verschwinden." Er schaute zu diesem jungen Mann auf der steilen Karrierer-Leiter, "Wir wollen in wenigsten Zeit, etwas verstehen. Aber die Oberflaechlichkeit und das Highway des Lebens sind kein Schluessel, um Tee zu verstehen.

"Ich wollte die Essenz des Tees verstehen und nur das Wesentliche." sagte er zu mir, " Du weiss ja, wie ein Fondmanager arbeitet. Wir suchen die wichtigen Literatur aus, analysieren sie und fassen sie zusammen. Die Informationen sind die Stutze unseren Berufs." " Was ist mit Deiner Intuition?" fragte ich ihn. Er war sprachlos, "was glaubst Du denn?" Der Lehrer kam wieder zurueck, wieder mit einem raren Tee, "ein Tee, den ich eigentlich fuer mich geroestet habe." Der Duft stieg und die Tasse war in einem Smok. Die beiden Maenner sprachen weiter ueber die theoretischen Herstellungsprozesse und Probleme. Ich roch einen starken Holzkohle-Duft, kein Speck, kein Schwarzwaelderschinken, sondern Duft des Harzes. Nach diesen intensiven eindeutigen Momente folgte eine unverkennbaren kalten beruhigenden blumigen Duftnote. Langsam und langhaltig. Ich unterbrach ihre Disskussion, "Meinst Du," ich schaute meinen Lehrer hoffnungsvoll "das ist der Qrchideenduft von Qingxin oolong und gemischt mit Hochlandscharakter?" "Ja! Du hast es." strahlten seine Augen. Sie sprachen weiter.

Der Mann im Seidenanzug musste wieder gehen, als sein Handy klingelte. Er sagte, dass er bald wieder kaeme. Wir lachten. Ich wollte unbedingt wissen, welchen Tee unbedingt abkaufen wollte. Es war ein Dongding Original 1977!

13/2 Sijichun 四季春, ein Bespiel

Der Tee, der meine Geschmacklosigkeit ein Ende setzte, war ausgerechnet der einfache Sijichun. Sijichun, ein gewöhnlicher einfacher Formosa Oolong, der wegen seinem Duft eine Popularität erreicht. Eigentlich ein Blendwerk, das Konsumenten mit Düfte betört, aber uninteressant bleibt. Wie kann man aus so einem Baum, dessen Natur ein Blendwerk ist, zu einem interessanten Tee verwandeln? Eine Schönheit allein reicht nicht, um eine Persönlichkeit zu sein. Ich trank den Tee, der seit einer Woche bei mir lag und auf Degustation wartet, um weiter verschickt zu werden. Der Duft ist typisch, aber dezent und langhaltig. Der Aufguss lieblich, zurückhaltend aber voll präsent. Kein Wunder, ein Tee von dem alten Chen aus Mingjian. Einfach und perfekt zugleich. Er sagte mir einmal, die Leute haben gerne den Sijichun. Er ist schön, aber zu zentriert auf das Äußere. Man muss ihn in der niedrigeren Temperatur länger und stärker fermentieren lassen, so dass der Duft im Hintergrund zurückgesetzt wird und der Geschmack reichlicher wird. Der gewöhnliche Sijichun auf dem Markt, ist kurzer fermentiert, um dem Marktgeschmack gerecht zu werden, während sein Geschmack zusammenziehend und grob bleibt – was man allerdings mit Gongfu Methode korrigieren könnte. Aber ein Teebauer, wie er, verweigert dem Trend zu folgen. Er hat ein einfaches Bild, ein unspektakuläres Ideal, wie er mit seiner Arbeit umgeht. Die Art, wie wir mit unserer Arbeit umgehen, ist oft die Art, wie wir mit uns selbst umgehen.

An jenem Frühlingsnachmittag in seinem Hof hockten wir zusammen unter einem Mandarinen-Baum. „Lin San“ er bevorzugte die altmodische japanische Anrede „ ich war noch nie im Ausland wie Du. Ich habe mein Leben dem Teegarten gewidmet. Du hast ein schönes Leben, während meins nur mit dem Teepflanzen und Erde zu tun hat.“ Er lächelte mit seinen goldenen Zähnen und leicht schüchtern vor einem Stadtmädchen. Ich weiß nicht, ob andere Leute sich auch von seinen einfach Sätze so berührend lassen. Ich weinte innerlich in diesem Moment. Natürlich habe ich eine andere Lebensführung und wäre nie glücklich nur in einem Teegarten zu leben. Ich hätte mein Leben "nie" nur für eine Sache wie Tee verschwendet und geopfert. Seine Zweifellosigkeit, Insistieren und Naivität machten mir jedoch deutlich, was in unserer Welt immer mehr verloren geht.

Ich schickte den Tee gestern gleich in die Innerschweiz. Heute noch vor neun bekam ich einen guten Auftrag. Der Käufer versteht, was er bekommt, ohne ich etwas dazu sagen musste. Das ist das schönste Moment in Business. Der Käufer und der Verkäufer treffen sich zu einer Wahl, die für sich spricht, ohne Wörter. Dieses Vertrauen und der Vorgang sind unauffällig, sind allerdings konstruiert auf einer Basis von einem tiefen Urteilsvermögen und Vertrauen in das Handwerk. Das Handwerk, was der alte Mann in Südtaiwan insistiert und pflegt, geht über die kulturelle Grenze hinweg und wird wortlos von fremden Menschen bewundert, die ihre Arbeit ebenfalls als ein Kunstwerk insistieren und verklären. Ein guter Handwerker braucht gute Käufer, die ihn schätzen und vor dem marktwirtschaftlichen Untergang bewahrt. Und das hat mit dem sprachlichen und kulturellen Selbstständnis nichts zu tun.

Den besten Tee zu produzieren, braucht der Teebauer dreifache oder vierfache Mühe, die möglicherweise nur 5% Ergebnis befruchtet. Wie würde ein Teebauer seufzen, wenn seine Ernte zwangsläufig an einem regnerischen Tag geerntet wird und seine Mühe vergeblich bleibt? Und um diesen 5% Unterschied zu anerkennen und zu bewundern, braucht ein Teeliebhaber eine Reife und ein empfindsames Einfühlungsvermögen. Wer würde gegen Geld und den Markt arbeiten, wenn man nicht an einem Ideal beharrt? Die Kunst eines Handwerks ist hinfällig, vergänglich und zerbrechlich. Sie zu bewahren ist nur heute lediglich auf die Naivität, Kompromisslosigkeit oder Sturheit eines einfachen Teebauers zu stützen. Die Lage ist prikär.

Mingjian

Mingjian 名間, 400 M. ü. M. Foto aus http://nantou.mmmtravel.com.tw/i

Er zeigte mir auch den Baum, den er gerne nach seinem Tod noch begleiten würde. Ein Shuixian-Baum, den sein Bruder aus China schmuggelte. Seine Frau sagte mir, dass er in ersten zehn Jahre nur geweint hat, als er versuchte, den Shuixian zu produzieren. Er weinte und kippte alles weg. Sie sagte, er sei ein Egoist, weil sein Leben sich nur um Tee dreht. „Er geht mit Dir bestimmt auch so um wie mit Tee, oder?“ Er lächelte ruhig und schaute zu seiner Frau. Sie verstand zuerst nicht, was ich meinte. Ich verstand ihn sehr gut. Wenn man für die innere Stimme lebt, die in der Außenwelt immer mehr fremd wird, wird man automatisch schräg und einsam, sogar für manche aggressiv. Es ist ein Widerstand gegen das, was alles egal und gleichgültig macht.

Diesen Shuixian Dan Cong degustierte ich im Januar im Münchener Seminar, Jahrgang 2005. Der Tee hat viele Aufrufzeichen in Augen der Anwesenden ausgelöst. Das Mantra, was Alibaba einst zu der unerwarteten Schatzwelt sagte, „ Sesam öffnet Dich“ ist nichts anders als das Verständnis für das, was eine Tradition hinter einem Handwerk versteckt; was den alte Chen in Mingjian zu einem Egoist macht; und was uns ermöglicht, über die kulturellen Grenze hinweg den gemeinsamen Geschmack treffen zu können!

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