05/5 Heilen mit Tee, ein Buch

Buch Heilen mit chi. Tee

Als ich in letzter Woche das Buch zur Hand bekam, war ich richtig stutzig!

Einerseits finde ich super, das Buch wieder publiziert zu sehen; andererseits erschrak mich diese Abbildung auf der Titelseite richtig!!

Was für ein Verständnis hat der Verleger, Disigner und Autor von Teetrinker?

Zum Glück bin ich nicht mehr an der Uni und Semiotik ist nicht mehr meine Spzialität. Was hätte Roland Barthes dazu sagen wollen? Wieder ein Mythos im Alltag!

Zuerst war ich sutzig und dann nur Schmerzen spüre ich. Teetrinker gehören zur gewissen Exoten in Deutschland. Entweder wird Tee als geheimnisvoll vermarktet oder als Wellness-Werkzeug. Der Teetrinker werden häufig als Austseiger oder als Esoteriker abgebildet - wie hier. Leider kenne ich selten solche Typen und ich selbst bin ganz bodenständig.

Warum sind wir als Teetrinker über solche "Unterstellung" und "Kategorisierung" nicht wütend?

Das Buch finde ich trotzdem lesenswert. Der inzwischen verstorbene QiGong Meister Wu Runjin vermittelt uns ein interessantes Aspekt zum Tee, anders als nur Wellness- und Vitaminen-Verständnis.

Heilen mit Tee

Wu Runjin und Dr. Erika Alice Haase

Windpferd Verlag

Neu erschienen im März 2008, 14,9 €

30/4 Tee für die heissen Tagen I

Auf den Weg nach Nyon rief mich Jürg an, der gerade etwas für seine Tee-Online-Magazin plant. Gegen die verbreiteten Vorurteile, Tee nur als Wintergetränke gegen Schiefwetter gesehen wird, möchte er etwas dagegen kontern. Er bat mir einen Text zu schreiben, aber nicht zu lang. Einen langen Text, meint er, liest heute niemand mehr.

Einen kurzen Text zu schreiben könnte ich gut, aber nicht um Leser zu gewinnen. Gestern bat mein Klient mich seine Mitarbeiter zu schulen, sie zum Tee-Begeisterten zu verwandeln. Aber ich habe nur zwei Stunden Zeit. Was könnte man denn aus den zwei Stunde machen? Wenn der Klient nur so viel erwartet, dann gebe ich auch so viel, nicht mehr.

Dass man hier im Blog immer mit einem langen Text konfrontiert ist, schreckt wohl viele Leser ab. Mir geht es eigentlich nicht an, wie viele Leser hier verweilen. Meine Arbeit definiert sich nicht über die Besucherzahl, sondern über meine fachfräuliche Information und Wissen. Es macht mir viel mehr Gedanke, Leser mit meinen unklaren Information oder Sprache zu verwirren als die absteigende Besucherzahl. Wenn Menschen sich nicht mehr bemühen, Zeit und Energie zu nehmen etwas zu pflegen, was ihnen wichtig ist, bekommen sie eben das, was bekommt werden können - mehr nicht. Ich bin durchaus zufrieden mit der täglich über 1000 Besucherzahl, die mir zwar Freude bereitet, aber mir auch lästig wird, eine Verantwortung für meinen Text zu übernehmen. Meine Aufgabe ist nicht Menschen zu helfen über Tee zu informieren. Ich mache das Schreiben einfach gerne. Menschen helfen sich schon selbst, wenn sie geholfen werden wollen. Sie finden auch das, was sie suchen, wenn sie suchen.

Also, nun mache ich mir Gedanke, was man Tee unter Getränke für die heissen Tagen versteht. Tee ist weder heiss noch kalt. Ach, die armen Menschen suchen immer das, was sie beschäftigen sollen und womit sie festhalten können - aber nur möglichst mit wenigster Aufwand!

01/4 Die Suche nach Senbei

Die Geschichte hat vor einem Jahr angefangen.

Teemeister Ulrich Haas fuehrte ein Kencha in Zuerich im Feb. 2007 auf und offerierte eine ausgesuchte Sueesigkeit von Urasenke-Schule. Diese Suessigkeit ist extra fuer Urasenke im Ausland hergestellt und unverkaeuflich. R. war wegen meiner Einladung zum Tee da und war sehr angetan von dieser Suessigkeit. Er fuehrt inzwischen ein renomiertes Versandhaus in der Schweiz und wuerde sehr gerne seiner werten Kundschaft diese leichte suesse und salzige Suessigkeit - Senbei zum Tee anbieten. Es gaebe in Europa nichts Adaeguates.

Ich fragte Urlich, wie man es besorgen keonnte. Er lachte im Telefon und sagte mir, dass wir es vergessen sollten. Die Japaner wuerden wegen uns doch keine Muehe machen. Ich gab nicht auf und fuehlte richtig aufgemuntert dabei. Etwas zu organisieren ist meine Staekre, vor allem etwas Besonders, was schwer zugaenglich sei sollte. Ich versprach R. es zu besorgen.

Die Zeit ist vergangen. Kein Erfolg. Das Geschaeft Sue Tomi sagte immer hoeflich im Telefon, dass sie nichts ins Ausland verschicken und diese Suessigkeit nur fuer Urasenke anfertigt. Wenn ich es unbedingt will, sollte ich doch zu Takashimaya Kaufhaus oder nach Kyoto kommen. Letzter Fruehling war ich in Kyoto mit einer Reisegruppe so sehr abgelenkt, dass die Suche nicht moeglich war. Und diesmal wollte ich mein Versprechen einloesen.

Ich lass die Adresse - nur einen Strassename und eine ungefaehr Richtung, keine Hausnummer. Auch kein Problem, ich wusste ungefaehr, was das bedeutete - einfach um das Ecke dieser Strasse sollte das heissen. Wir fuhren mit dem Bus und suchte nach dieser Gasse. Es gab einfach keinen Strassenschild und auch keine Nummer. Nach einer grossen Anstrengung fanden wir endlich diese Gasse. Meine Schwester fragte, "Wie koennte Urasenke so einen Laden beauftragen, der in so einer kleinen Gasse steht?" Aber diese komische schwer auffindbare Gasse scheint etwas Besonders zu sein. Alte traditionellen Haeuser stehen nebeneinander. Viele Kimono Laeden versammeln sich dort, die von Aussen nicht erkennbar sind. Wir suchten nach Reklame-Schilder nach Sue Tomi. Es gab keine Schilder, die man ueberall in Asien finden koennte. Nichts, was uns verraet, wo Sue Tomi sein koennte. Ploetzlich merkte ich, dass ich vor der Tuer von Sue Tomi stand. Eine unauffaellige Erscheinung mit einer unauffaellige Tuer und unauffaelliger Atmosphaere. Hier sollte dieser beauftragte Handwerker sein, der fuer weltweite Urasenke Senbei (eine Art Kekse aus Reis und Weizenmehl) produziert. 

Sue TomiSue Tomi von Aussen. Das Geschaeft hat nicht Mal eine Internetseite!

Wir traten ein und waren irritiert. Die Verkaeufer schienen genau so irritiert zu sein, als sie wussten, was ich wollte. Ich wollte Senbei kaufen, die aenhlich schmeckt wie die Senbeis von Urasenke. Die Verkaeuferin deutete auf diese Kekse. Ich wollte verkosten. Sie zoergerten und die andere wohl gedresste Dame neben mir zeigte ihr ueberraschtes Gesicht. Ja, ich bin ein Barbar, aber das macht nichts - ich sagte zu mir selbst. Die flexible Verkaeuferin brachte mir zwei Senbeis. Sie waren genau so wie der Geschmack in der Erinnerung an dem Tag von Kencha. Ich gab einen Auftrag - in der gleichen Zeit bewegte das gesamte Personal. Sie packten, falteten und schnurrten die Packeten in einer Geschwindigkeit, die man nicht erwartete. Blitzschnell waren die Schachtel fertig gepackt. Das Packpapier war ohne TesaBand und das Knoten von dem Schnurr kann man nur nachmachen, wenn man eine Anweisung erhaelt. Solche Knoten sind so gemacht, damit die Schachtel ueber einander stehen koennen, auch wenn es zwangzig oder dreissig Schachtel sind. So etwas wuerde man nie in anderen Teilen der Erde finden. Ich war beeindrueckt. Beeindrueckend war auch der Preis und die poetische Namen von deren Suessigkeiten.

Danach ging ich Kimono kaufen. Als ich das Kimono mit dem Obi anprobierte, fragte mich die Verkaeuferin, ob ich Kunde von diesem teueren Laden bin. Sie deutete auf die Tragtasche. "Dort gehen nur reiche Leute hin." sagte sie. Ein Laden, wo nur reiche Leute hingehen? So ein unauffleiiger Laden mit einer unscheinbaren Erscheinung in einer kleinen Nebengasse?

Wie wuerde ein Suessigkeitgeschaft in Zuerich aussehen, wenn nur reiche Kundschaft rein und rausgehen? Oder in Paris und New York? Nehmen wir ein Beispiel von Spruengli. Wo liegen die Laeden von Spruengli? Im Hauptbahnhof, am Paradeplatz oder an der Lowenstrasse! Wie werden die Verkaueferin gedresst und was fuer Marnier haben diese Frauen? Was fuer ein Show muss man dort abziehen, wenn man dort einkauft, um "reich" zu erscheinen und freundlich bedient zu werden?

Ich fragte mich, was es bedeutet, dass ein traditionreiches Geschaeft seit Meiji Zeit, ein von einer traditionreichen Teeschule beauftragtes Handwerker an einer kleinen Nebengasse ohne Reklame unauffaellig auf uns wartet. Das Geschaeft ist nicht interessiert ein globaler Player zu werden. Sie wissen, dass sie etwas besonders produziert, eine Suessigkeit aus Miso (fermentiertes Sojabohne) und Soja-Sosse koennen nur Menschen erreichen, die das einfache dezente Geschmack schaetzen. Vielleicht nur Japaner. Sie wissen, dass die Kunde sie finden, die wollen. Und nicht umgekehrt. Eine Logik gegen die gaengige Bussiness-Logik der kapitalistischen Lehrbuecher! Aber es scheint zu funktionieren! Auch ein Innernschweizer Versandhaus suchte nach ihren Senbeis!

Die Nachwirkung von dieser Suche wirkt jetzt immer noch nach. Ich verstand, warum ich immer wieder in diese Stadt zurueckkehre. Dieser Geist ist der Geist, der Kyoto zu Kyoto macht! Die Handwerker in Kyoto wissen, dass ihre bewusste Zurueckhaltung Menschen tiefer berueht als das Blendwerk. Sie wissen, dass die schweigende Arbeit im Hintergrund in der Wirklichkeit viel mehr bedeutet als die Praesenz in Medien.  Sie wissen, dass ihre gute Arbeit ihr Selbstwertgefuehl schenkt und ihr Beharren auf das, was ihnen Wert ist, eine Tradition schafft und belebt.

Das ist auch der Geist des Tees. Die Menschen suchen Tee (Weg), sie kommen, weil sie es wollen. Sie halten die Suche aus, weil sie es wollen. Unabhaengig davon, was die Anstrengung einem ausmachtund was das Ziel ihnen verspricht. 

31/3 Sue Tomi「京菓子司 末富」

Sue Tomi
Sue Tomi
http://allsweets.info/suetomi.htm

24/3 Ein kleiner Verrat

Ein kleiner Verrat, ein harmloser Seitensprung, ein kurzes Ausflug ins Kaffeeland.

Ich habe meine Kaffeemaschine in Zuerich gelassen, auch meine Kaffeebohne und meine Kaffeetasse. Aber den Koerper mit dem Koffein-Sucht nahm ich mit. Diese Sucht liess mich hier nicht mehr los.

Gestern ging ich endlich Kaffee kaufen, weil unsere Kaffeedame (meine Schwester) nicht da war und ich die Kaffeemahlmaschine mit meinen linken Haende kaputt machte. Die Jungs am Stand war so fit, dass ich nicht auf sie aufpasste. Der Kaffee war gezuckert! Enttaeuscht und sauer, schwoerte ich in ein richtiges Cafe-Shop zu gehen. Ein richtiges Cafe heisst in Taipei, Kaffeebohne nicht aelter als 240 Stunde geroestet, frisch gemahlt und am Tisch zubereitet.

Zhanlu, ein Kaffeeshop an der Xinshen South Road, merkte ich mir schon lange, aber noch nie besucht. Von Aussen sah das Lokal richig professionell aus. Die Karte ist wunderbar, von Blend bis Solo-Kaffeesorte: Von Suedamerika bis nach Hawaii. Was will man mehr? Ausserdem wird sogar Whisky ausgeschenkt! Leider war die Beschreibung und Degustationsnotiz zu wenig differenziert und standarisiert. Aber beeindruckend sieht die Menuekarte im ersten Blick auf jedne Fall! Jede Kaffeesorte wird mit Ort und Farm detailiert angegeben. Diese Art von Kaffeeshop liegt in Taiwan wohl ziemlich im Trend, was mir sehr gut gefaellt, aber in Europa noch nicht sehr bekannt ist.

Ich waehlte Kaffee aus Farm San Augustin in Columbia Huila aus. Die Dame verscuhte mir richtig zu beraten und warnte mir vor der Saeure. Ich meinte, dass ich die Bohne aus diesem Gegend kenne. Sie bereitete den Kaffee vor mir zu. Schoene Kaffee-Zeremonie. Ich haette sofort Zweifel an dem Temperatur des Wassers. Der Kaffee duftet schoen und hat leichte Farbe. Leichte Reostung, meinte sie. Die Saeure war so dominant, dass der fruchtige Geschmack erst beim Abgang bermerkbar wurde. Ich sagte ihr sofort, dass er mir nicht gefaellt. Sie bot mir sofort an, einen erfahrenen "Meister" fuer mich zubereiten zu lassen. Dieses Service hat mich doch beeindrueckt und liess mir noch einmal einen saeuren Kaffee zu bringen.

Diesmal war der Kaffee eindeutig dunkler. Sie sagte mir, dass die Person bei der Kaffeezubereitung eine Rolle spielt. Ich stimmte zu, aber lobte ihre Grosszuegigkeit. Diese neue Tasse schmeckte vielseitiger, aber die Dominanz der Saeure war nicht zu korrigieren. Der Abgang war laenger und noch fruchtiger. Mein Herz schlug sofort schneller. Mein Koerper vertaegt diesen Kaffee nicht. Er ist zu aggressiv, auch wenn er nur von der leichter Roestung ist.

Enttaeuscht bazahlte ich die Rechnung, 230 Taiwan Dollars, knapp 10 Sfr. Gutes Hardware - Service und Einrichtungen, schlechte Auswahl. Aehnlich wie beim Erlebnis mit vielen Teelaeden. Ich ging wieder raus und erzaehlte Freunden und meinem Teelehrer ueber meine Enttaeuschung. Sie lachten mich aus, als ob ich inzwischen ein Auslaender waere. Es gibt wirklich paar verrueckte Kaffeetrinker unter den Teeliebhaber wie Onkel Huang. Sein Kaffeelieferant zittert, wenn er seinen Kaffee bestellt. Privat ist er ein Uhrensammler und Tee-Ameisen - er sammelt auch Tee, uralte Tees. Er sagte mir, dass man in diesem Laden keinen Kaffee trinken darf. Viel zu teuer und schlecht. Mein Teelehrer sagte mir, dass ich die Essenz des Tees immer noch nicht verstehe und deswegen erwische ich schlechten Kaffee!

Ein guter Kaffee ist wie ein guter Tee meinte er. Wenn man Kaffeebohne unreif pflueckt, ungenuegend fermentieren laesst, unausreichend trocknen laesst und zu kurz roestet, wird der Kaffee sauer und aggressiv. Das Gleiche gilt auch beim Tee! Wenn man so einen Kaffee mit Gewalt stark roesten laesst, bekommt der Kaffee ausser dem verbrannten Geschmack sonst nichts. Das meinen die meisten Menschen einen starken Kaffee!

Jedesmal war ich die erste Person vor einem Teeseminar, die nach Kaffee schreit. Ebenfalls die erste, die danach nach einem Bier sucht. Warum soll ich ausser Tee nicht anderen Getraenke lieben?

Kaffee und Tee oder Bier sind Getraenke, die fuer Einzelngaenger geeignet sind. Ich sitze gerne allein, liebe die Schlichtheit. Von der Verspieltheit halte ich mich fern. Am Ecke bei einer Tasse Kaffee (einen guten) zu sitzen macht mich wahrsinnig gluecklich.

18/2 Tee, Musik und nicht nur das Handwerk

Oolongblatt Ein gelungenes Werk, Sijichun Premium aus Taichung, Taiwan

Als ich gezwungen wurde Kalligraphie und Klavier zu lernen, hasste ich meine Mutter und den Beethoven. Seine Dramatik und Anforderung an die absolute Hingabe des Spielers überforderte ein junges Mädchen, das nur aus Pflicht seine Stunde absaß. Mit dem zunehmenden Alter und durch Tee fühle ich mich immer näher zu diesem Mann, dessen Seele an einem Verlass glaubt und stets mit uns in Kommunikation bleibt.

An Beethoven muss ich immer wieder denken, wenn man mich fragt, was der Prozess Hongpei (Endprozess des Tees, Ein Prozess der Röstung, die den Charakter des Tees stabilisiert und verleiht.) zu verstehen sei. Neulich war ich in Innenschweiz zu Besuch und bekam eine Tassen hervorragenden Shuixian aus Phönix Berg ebenfalls von Mingcha. Fein, elegant und duftend nach Pfirch, aber ihm fehlt etwas. Der Grund vom Fehlen an etwas ist die gleiche Situation, wenn der Spieler der Anforderung von Beethoven versagt. Auch der Shuixian Mandarin von Mingcha 2006 aus Globus (es wurde gesagt, dass die von mir empfohlenen Tees nicht mehr in Globus Zürich zu finden sei) war zwar schön, fruchtig und zufrieden stellend, aber etwas fehlt.

Was ist das denn eigentlich? Wenn Beethoven vorschreibt, crescendo fast bis zum Ende zu spielen und dann Dramatischerweise ein subito piano anschließend zu verlangen, ist die Klangbeherrschung und Mutprobe eines Pianisten getestet. (Ich glaube, solche Momente sehr gut im Sonata No.8 und No. 21 zu erleben) Ist er ein Feigling, traut er sich dem Test nicht zu stellen. Er geht mit seiner Kraft nicht an die Grenze, bevor er den lautesten Klang vor dem Wechsel drückt, übergeht bereits zu piano und denke dabei diesen Abgrund überlistet zu haben. Er verliert scheinbar nichts, bewegt sich im den Sicherheitszone. Aber seine Musik verrät uns, dass er den erwünschten Effekt von crescendo zu subito piano des Beethovens versagt. Ein Feigling traut sich nicht an eigene Grenze zu gehen, sich zur Probe zu stellen und lässt die Vision eines Werks fallen. Es gehört eine Menge Mut und Entschlossenheit, sich vor dem Abgrund zu stehen, um etwas zu wagen, was einem Menschen und ein Werk zu einem Kunstwerk und einem Meister macht. Diese Form von Mut ist nicht nur beim Musizieren gefragt und entscheidend, sondern quer durch jedes Lebensbereich. Das gleiche gilt auch beim Tee.

Hongpei – Röstung verleiht dem Tee einen unverwechselbaren Geschmack und eine individuelle Note, was der Tee-Önologe unter Tee und seine Kunst versteht. Alle Formosa Oolongs werden mindestens zwischen 80-120 Grad geröstet. Temperatur 80 Grad ist eine sehr sichere Temperaturgrenze, unter diese Grenze könnte ein Tee in der Sicherheitszone einwandfrei getrocknet werden und sein Geschmack wird minimal verändert. Ganz sicher, wenn man einen Tee nur unter 80 Grad röstet. Man verändert an nichts und bekommt dagegen auch nichts Neues dazu. Mit 100 Grad Temperatur wird der Duft verändert. Er tritt zurück, wird tiefer und unsichtbarer. 100 Grad ist die Gefahrgrenze, etwas kaputt machen zu können. Mit 120 Grad Temperatur wird ein Tee charakterisiert und verfestigt. Sein Duft, sein Geschmack und seine Struktur werden „dramatisch“ verändert. 120 Grad ist der Schritt zur Abgrund, die Mutprobe eines Tee-Önologes.

Ein hervorragender Tie Guanyin, der vielen Anwesenden am Wochenende und in vielen Seminaren begeistert, muss zwischen 90 bis 130 Grad geröstet werden. Also bis zum Abgrund! Der Rückflugtickt kann nicht gebucht werden, es geht immer nur geradeaus. Was macht ein Tee-Önologe? Ist er ein Feigling, ein Weichei? Ist er ein Meister? Er kann sich nicht verstecken, denn Tee erzählt uns alles von seiner Feigheit. Sein Werk wird unter den Gaumen geprüft und er manifestiert sich, auch wenn er glaubt, uns überlisten zu können. Tie Guanyin aus Muzha wird zuerst mit 90 Grad geröstet und der Temperatur wird bis 130 Grad erhöht. Mit vielen Unterbrechung und Pause wird der Tee erst vollendet. Ein Phönix Shuixian dagegen wird mit 130 Grad angefangen und langsam runter gefahren werden.

Das Glücksgefühl, das dem Leben Licht bringt, strömt durch uns, wenn wir ein meisterhaftes Werk begegnen. Mir tut es leid, wenn ein Tee unter einer Feigheit leidet und eigentlich das Potential besitzt, um ein volles Blüte zu werden. Ein guter Tee mit reichlichem Körper braucht die Begegnung mit einem Meister, der Mut besitzt, aus ihm zur einen Farfalla zu verwandeln! Oft könnte man diese prikäre Kunstfertigkeit nicht bewahren, indem wir auf die Tradition zurückgreifen. Es ist primär, den Mut im Hier und Jetzt für sie einzusetzen.

Solche Meister zu begegnen gehören wohl Schicksal. (Menschliche Begegnungen sind überhaupt schicksalhaft) Leider können wir solche Meister nicht mit Unesco-Programm schützen. Tee als Kunst kann man nicht einfach materialistisch beschützen. Die alten Teebäume, das Wuyi-Gebirge oder die Teegeräte könnten durch Museum gut konserviert, bestaunt und archiviert werden. Aber das Wichtigste, das den Tee lebendig hält und dynamisch schwingen läßt, ist der zerbrechlichste Mut der Menschen, die als Einzelnkämpfer in der Marktwirtschaft leben, vor Einsamkeit sterben und zwischen Schein und Sein leiden.

Heute pflege ich das Bewusstsein, die leise Stimme solcher Menschen festzuhalten, zu schützen und zu verbreiten. Das Bewusstsein macht mich oft zutiefst glücklich und zugleich einsam.

ps. Ich bin kein Musiker und kein Pianist. Bitte verzeihe mir meinen "Mut", diesen Vergleich zu wagen. Eigentlich sehe ich das Tee-Seminar ebenfalls so wie die Musik. Jedes Konzert ist nie das gleiche. Ein Konzert-Besuch ist anders als daheim CD hören. Meine Aufgabe ist, den Zuhörer zu verführen, seine Version zu vergessen.

28/1 My blueberry night

München ist eine schöne lebendige Stadt. Voll, laut und lustig. Vor dem Kino stand eine riesen Schlange. Wir zitterten um jede mögliche Karte. Gemeinsame Plätze für fünf Personen waren nicht möglich in einem überfüllten Kino. Ich sah eine höfliche Leerstelle zwischen zwei Paaren und sprang sofort auf den Stuhl. Als ich im Dunkel versuchte, ein SMS zu tippen, grüßte mich der vornehmene Herr nebenan. "Guten Abend! Wo kommen Sie her?" " Aus der Schweiz, wo Bergen quer liegen." "Nur um ins Kino zu gehen kommen Sie nach München?" " Ja, nur um hier zu sitzen!" wir lachten zusammen. "Ich vermisse das Lebensgefühl in Deutschland. Vor allem im Kino. Wie ein Film im Film." - wenn die Ereignisse Bilder wurden, die Erinnerung als Geschichte erzählt werden kann.

My Blueberry Night.

Ein herzgebrochenes Mädchen Namens Elisabeth kam jede Nacht in ein Cafe und ass trostlos den Blueberry Pie, der nicht beliebt war und immer übrig blieb. Der englische Cafe-Besitzer versuchte sie zu trösten und zu besänftigen. Eines Tages verschwand das Mädchen und er erhielt nur Postkarte von ihr ohne Absender. Das Mädchen nahm den weitesten Weg, um wieder zurückzukehren. Auf ihrer Reise lernte sie ihre Schmerzen zu vergessen, indem sie die Schmerzen der Geschichte des Anderen begleitete. Im Spiegelbild des Anderen begegnete sie sich selbst und nahm den weitesten Weg wieder zurück nach New York. Der Engländer hütete die Postkarte, bewahrte die Erinnerung auf und wartete bis die Tür eines Tages VIELLEICHT wieder geöffnet wird, anstatt sie zu suchen. Ein Jahr später kam Elisabeth unerwartet und wie erwartet wurde Blueberry Pie serviert. Blueberry Pie und Vanilleneis verschmelzten ineinander und ein seltenes Happy End von Wong Kar Wai fand überraschend statt.

Daiyu sagte, dass Wong "fetisch" sei. "Fetisch" insofern, dass er auf Dinge fixiert ist und Geschichte durch die Dinge erzählt. (Fred van der Kooij behauptet Wongs Film sei Melodram der Dinge). Die Lampe, der Schlüssel, die Polizeifugur wiederholen sich immer wieder in seinen Werke. Sie konnte fast nicht weinen, weil sie Wong Kar Wei wieder richtig erlebte. Das ist genau die Szene, das Lebensgefühl und die Sentimentalität, was sie genau von ihm erwarte. Die Dinge erzählten die Geschichte, die Menschen berühren und das Leben füllen. Wir pflegen die Dingen, weil wir selbst die Geschichte sind. Florian fragte mich, was für einen Tee mich an Wongs Film erinnern würde. Naja, was soll ich dazu sagen... ein Dianhong zu dem Blueberry-Cake von Hotz in Witikon?

Cenk behauptete, dass er mich im Kino schlafen sah. Wir verabschiedeten uns noch vor der U-Bahn. "Warum kommst Du nicht wieder nach Deutschland? Ziehe doch nach München!" Ein Wanderer ist eine Ansammelung von verschiedenen Strömungen. Richtig zu einer gehört er nicht. " Hoffentlich bis bald!"

" Die Straße zu überqueren war nicht schwer. Es kommt immer drauf an, wer auf der andere Seite auf Dich wartet.

My Blueberry Night. Wong Kar Wai"

12/1 Kulturbanausen, Teebanausen

Bei einer Tasse Tee traf ich dill'icious an der Limat beim Storchen. Ihn lernte ich kenne, als er die Idee hatte, ein Teehaus oder Lokal in Zürich zu eröffnen. Es sind nun Jahre vergangen, inzwischen ist er umgeschult, arbeitet im sozialen Bereich und gründet ein Verrein Kulturbanausen, das Menschen zueinander verbinden sollte.

Als ich im Tram sass, konzentrierte ich mich kurz auf ihn, ein blasses Bild von der Vergangenheit. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr recht an ihn erinnern. Was in meiner Erinnerung bleibt, waren zwei Dinge: das schöne Ofen in seinem geschmacksvollen Essenzimmer, geschmückt mit blauen holländischen Fliessen; die Person zu erinnern ist für mich durch ein Bild von einem rassiger Sencha zu assoziieren. Und das erzählte ich ihm bei unserem Wiedersehen. Erkannt an ihn habe ich tatsächlich diese rassige Sencha-Ausstrahlung: scharfe Augen, klar und konzentriert.

Rassiger Sencha, würzig, stark und scharfsinnig, begleitet mit ein bisschen Samurai-Qualität, die schwerer zu beschreiben ist. Blitzschnell, wehrmutig und zugleich unwiederkehrend. Er lachte über meine Beschreibung und sagte, dass eine Frau seine Wohnung als "weiblich" kommentierte. Denn er viele kleine Details liebvoll pflegt, was ein Mann eigentlich nicht kann. Ich lachte und widerlegte, dass die Beziehung eines Samurais zu seinem Schwert wohl sehr weiblich ist, denn der Schwert und die Person vereinheitlich werden muss - eine mit Liebe gepflegte Beziehung. Jeder ist zu gänglich zu dieser Qualität und es hat mit dem Geschlecht wohl nichts zu tun. Vielleicht ist die Beziehung zwischen Teeliebhaber und Tee sehr weiblich.

Wir tauschten uns aus, über die Jahren, über das jetzige Leben und über die Vision. Er sagte mir, dass er nun mit 50 endlich das Gefühl bekommt, angekommen zu sein. Er muss nicht mehr etwas verändern, geniesst das Alleinsein richtig und glaubt, reife genug, um zu lieben. Ich sagte, dass ich ihn sehr beneide. Er würde gerne etwas tun für die coole Gesellschaft Zürichs, etwas gestalten, um etwas geschehen zu lassen, um Menschen zueinander zu führen. Aus diesem Wünsch ist das Verein Kulturbanausen entstanden.

Was ist Kulturbanausen? Er lachte. Wer würde sich als Kulturbanausen bezeichnen, ausser wenn man über sich selbst lachen kann. Menschen, die wissen, dass sie keine sind, könnten darüber lachen.

Kulturbanausen

Wir sprachen auch über das Teeblog und die vergangene Teediskussion. Er verstand nicht, weshalb man die harmonische Mischung eines aromatisierten Tees verteufeln muss. Ist es nicht sektierend, wenn man anfängt, einen Authetizitätsanspruch als Teetrinken zu erheben? Er sah rassig aus. Ich nickte meinen Kopf. Wir haben alle Recht, anderen Menschen zu unterstellen und gleichzeitig unterstellt zu werden. Wir wollen stets das Gefühl behalten, sich als etwas Besseres und als Sieger zu fühlen. Es ist beim Teetrinker nicht anders. Warum sollte es anders sein? Die Gesellschaft hat uns keine Alternative angeboten. Anders zu werden, kann man nur, wenn man merkt, dass man mit diesem Konzept nicht mehr weiter kommt und es zur Last wird.

Teebeutel ist in Ordnung, Aromatisierung ist kein Problem. Es gibt kein Problem in unserer Welt, denn jeder ist so wie er ist, in Ordnung. Es ist nur ein winziges Fragezeichen, was Tee wirklich schmeckt. Weiss Du wie ein Tee schmeckt, wenn er nicht mehr in einer organisierten, ausgewählten und abstimmten Mischung auftaucht? Warum müssen wir mit Willen / Konzept etwas dazu tun, wenn der Tee doch allein für sich spricht?

Wir sprachen weiter über die Idee, gute Teebeutel mit seinen Jünger zusammenzustellen. Wir sprachen über mein Chaos, das selbst im Blog sichtbar ist. Er riet mir, Wissen und Beträge besser zu kategorisieren, um den Einsteiger zu erleichtern. Ich nickte und mit leichter Verlegenheit, enthüllte meine Schwäche. Ich habe richtig Schwierigkeit, selbst einen Schere aufzuräumen, so dass ich sie beim nächsten Mal wieder finde. Wenn man nie gelernt hat, Dinge entsorgen und aufräumen zu müssen, ist diese Kleinigkeit eine grosse Sorge. Er lachte und versicherte mir, mich zu coachen.

04/1 Der Teeladen ist da! Teagschwendner in Zürich

Seit 5 Uhr bin ich wach, da Anna ihr EasyjetFlug nach Berlin hatte. Ziemlich bald darauf rief Schwesterchen an: "Du, faule Schwester, bist du noch nicht wach? Hast Du schon Dein Flug im Januar? Wir brauchen Dich dringend!" Ja, ja, sie brauchen meine Stimme für die kommende Wahl, hat gestern mein Teelehrer mir schon gesagt. Nein, das Fliegen ist Januar ist untersagt. Aber der Flug in März muss sofort besorgt werden. Im Internet ist bereits alles ausgebucht, laut meinem Reisebüro gibt es nur noch C-Class möglich. Ich eilte in die Stadt.

Ich verstehe diese Welt wirklich nicht. Bin ich zu komisch oder die anderen? Für meine Reise im November sollte ich bereits jetzt ein Flug buchen. Für meine Reise im März, bekomme ich nichts mehr. Das Muss früher zu buchen bindet Kunden, die sich wiederum binden müssen, wohin und wann sie reisen. Wir werden immer unflexibeler, immer mehr unter den Zwängen und immer mehr unter den Klemmer. Andererseits verlangt unsere Wirtschaft, dass wir immer sportlicher, flexibler und beweglicher werden müssen, um den Arbeitsplatz zu sichern. Wir werden immer mehr wie Maschine, die nur funktionieren und laufen nach dem Gesetz, was uns vorgeschrieben ist. Ich verweigere dieses Spiel mitzumachen und lehne diesen Mechanismus ab. Wie kann ich jetzt wissen, wann ich im Nov. auf die Reise gehe? Soll ich besser pendeln können oder eine Versicherung kaufen? Ja, ja, ich sehe das Lächeln eines Versicherungskaufmanns. Sein Villa an der Goldküste haben wir eigentlich finanziert.

In der Stadt...

Trotz dem Jahreswechsel sahen Menschen hier nicht besonders glücklich aus. Alle schauten aneinander vorbei. Der Blickkontakte wurden extrem vermieden. Das ist ein Machtspiel zwischen den Menschen in dem urbanen Millieu, in dem man vergißt, einen normalen Kontakt zu erhalten. Man trägt das schöne Kleid und macht sich attaktiv, damit man Aufmerksamkeit erregt, aber den anderen Gegenüber ein Blick zu schenken, macht man es nicht. Man erwartet menschliche Kontakte und Wärme, aber als Erste tut man es nicht. Ich machte mit den Zürchern ein Spiel, das ich gerne in einer fremden Stadt mache. Lächelnd schaue ich den Menschen an und warte ab, was passiert. Keine Wirkung. Zürcher wollen meine Blume nicht. Sie möchten ihr Programm durchgeben, das aufgeblasene ICH auszuleben, bloss nicht einen Zufall einem Raum zu geben. Ein Lächeln ist für mich eine gute Tat, die anderen Menschen winzige schön Momente schenkt. In Berlin erhielt ich viele schöne "Blumen" zurück, auf der Strasse und von Fremden. Einmal in Spanien wurde ich sogar von einem Polizist mit Rosen beglückt. Somit zeigt mir jede Stadt ihr Gesicht und ihre Würde.

Es ist schwer auf diesem Niveau zu bleiben und ich ging zum Lindenhof, wo ich sehr gerne verweile. Schnell frische Luft ein und ausatmen. Von dieser Höhe sieht man das Niederdorf in einem anderen verhältnis an, vertraut und nah; und auch das kleine Limmat, das dieser Stadt Anmut verleiht wirkt wie ein gewöhnlicher netter Fluss. Ohne diesen Ort wäre schwierig hier auszuhalten. Nach dem Reisebüro ging ich auf der Suche nach dem TEELADEN, den Dill'icious mir bereits verpetzte.

An der Pelikanstrasse wurde im November ein Teeladen von Teagschwender geöffnet. Der Laden liegt sehr zentral und ist deutlich zu sehen. Ein eindeutlicher Teeladen-Geruch grüßte mich herzlich. Personale sind sehr freundlich. Der Regal in klarer Linien. Der Tee ordentlich abgepackt und verspricht immer die gleiche exklusive Qualität! Was für ein Luxus in unserer Zeit, in der alles unsicher wird. Das Konzept und die Linie dieses Ladens antwortet auf die Erwartung von Gleichheit, Gleichmässigkeit und Kontinuität. Egal wo wir den Teagschwendner begegnen, könnten wir die gleichen Qualität, fast identische Sortiment und das gleiche Aussehen erwarten, wie das Macdonauld. Menschen erwaten das Gleiche, um die Energie für die Entscheidung zu ersparen, um die Unabhängigkeit zu sichern von der Schwankung der Natur. Man will alles unter den Kontrolle haben. Man will nichts anders haben, als das Gewöhnte, das Vertraute und das Organisierte. Andererseits vermisst man, das Aussergewöhnliche, das Zufällige und das Fremde. Das Exotische umzufunktionieren liefert die perfekte Therapie für die trostlosen urbanen Bevölkerung. Durch den Konsum vom Exotische bekommt man den Schein an Etwas teilnehmen zu dürfen, was man schon längst versperrt wurde - das Fremde und das Abenteur.

Mir gefielt der kleine aber klare Laden, dessen Teeraum im Februar eröffnet wird. Zur Degustation gab es Sencha Organic, Rooibush Vanille und noch einen Kräutertee. Ich trank den Sencha Organic, der nach Termosflasche schmeckt und leicht grün gefärbt war. Eine schöne blonde Zürcherin im Peltzmantel erzählte am Ladentisch, wie sehr sie das Vanille Geschmack am Tee schätzte, denn der Duft sich stets an ihr letzte Indienreise mit ihrem Ehegatte erinnert. War es Vanille oder Vanillin? Ein alter Herr mit französischem Akzent kam hinein. Er wollte unbedingt zum Teeraum, der erst im Feb. zu besichtigen wäre. Er insistierte und wurde laut. Die Verkäuferin bemüht sich noch freundlich zu bleiben. Der Herr liess sich nicht von der netten Freundlichkeit ablenken, er wollte in den Teeraum, der nur noch Mobiliar hat. Das brachte mich zum lachen. Denn solche Gestalt machen das Leben in dieser Stadt wieder erträglich und lebendig anstatt wie das Leben im sauberen Schaufenster. Die Passanten sahen mein Lachen und blickten gleich in die andere Seite der Strasse.

15/12 Easy Gesellschaft, easy Geschmack

Vor einer Woche hatte ich paar interessante anregenden Briefwechsel mit einem fast aus dem Auge verlorenen Teefreund "Dill'icious". Er meldete sich plötzlich und wir hatten eine heisse Diskussion um "den easy Geschmack" von populärer Teemischung, die schon immer die mitteleuropäische Teekultur prägt und als Mainstream herrscht.

Meine Haltung ist klar: wer sich mit dem Geschmack des Tees auseinandersetzt, begnügt sich nicht mehr mit dem industriellen einheitlichen "Easy Geschmack". Interessante Tees sind wie interessante Menschen, die anderen provozieren (nicht angreifen), Diskussionen anregen und sich trauen, eigene Schwäche zu zeigen. Interessante Tees mögen uns nicht von Anfang an schmecken - sie sind eben nicht easy, sondern uns herausfordern, zu probieren, zu entdecken und zu schmecken! Sie beeindrucken uns nicht mit dem blendenden Duft, sondern mit ihrer Einzigartigkeit, die von uns eben Zeit, Mut und Geduld fordert! 

Hoi Menglin
Warum kann man nicht beides gleichzeitig mögen? Entschuldige den Vergleich
(Obwohl, Chinesen mögen ja allmählich Laktat verdauen, wie die
Weltmarktpreise von Milch veranschaulichen :-), also entschuldige bitte den
Vergleich, aber beim Käse mag ich sowohl einen vierjährigen, im feuchten
Felsenkeller gereiften Gruyère als auch einen stinknormalen Scheiblettenkäse
... alles zu seiner Zeit. Kann man also nicht auch Tee sowohl als Ritual
zelebrieren, aber auch als triviales Alltagsgetränk (in Form von gut
aromatisieren Beuteltees) geniessen? Ich finde nach einigem Ausprobieren,
dass die Teemischungen vom Seefeld zwar sehr modern-populär gemischt sind
(da gebe ich dir Recht), aber so zwischendurch ganz "easy" sind. Schnell
Wasser kochen, Beutel in die Thermosflasche, Mobiltelefon auf 4 Minuten
stellen, fertig! Seit ich das so mache, trinke ich täglich viel mehr
Flüssigkeit. Wasser allein mag ich nämlich irgendwie einfach nicht.
Abends dann wenn ich Zeit und Musse habe, kann ich dann einen "puren" Tee
trinken.
Was meinst du?
Okay, um wieder auf den Geschmack zu kommen, bestelle ich bei dir die 3
besten Tees DEINER Wahl. 1x Grün, 1x Olong, 1x Schwarz.

Oder soll ich bei RVR bestellen?
Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
Dill'icious

Liebe Teefreunde, was meint Ihr dazu?

Ps. die Veröffentlichung ist unter der Genehmigung von Dill'icious. Ich denke, er ist ebenfalls gespannt auf die möglichen Diskussionen. Die Hervorhebung der Wörter ist von Menglin veranlasst.

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