19/11 Allein in Berlin unterwegs
Selten reise ich allein. Das allein sein in einer Großstadt wie in Berlin hat deswegen eine ausgesprochene Reiz. Das Erwarten auf das Unerwartete. Diese Reiz fing bereits beim Hinflug an. Ich traf Stefanie in dem engen Flughafenbus, wo Fremde aus ganzer Welt zueinander geführt werden und ganz unpersönlich nebeneinander stehen. Wir schauten uns in die Augen, ich spürte die Sonne in dem grauen zürcher Himmel. Sie sagte, sie jettete gerade aus Rio. Sie sagte, es ist so kalt hier und der Flug war so lang. Ihre tiefe dunkle Augen waren anmutig und wir begann zu sprechen. Ich erzählte ihr, dass ich mich mit Tee beschäftige und wegen Tee nach Berlin flog. Sie erzählte mir, wie sie von einer Messe zu einer anderen Messe reist, wie sie zwischen Menschen, die Kunst als solche und Kunst als eine gute Anlage betrachten, lebt, und wie der Alltag als eine Kunsthistorikerin in einer bekannten berliner Galerie aussieht. Sie wäre gerne zu meinem Seminar gekommen. Aber ein Tag nur Schlafen tut ihr sicher gut.
Nach einem Tag nur mit organisierten Tee-Kosten und Tee-Geschwätz wollte ich heute nichts bestimmtes planen, nichts bestimmtes erwarten. Dann passiert das, was passieren muss. Ich liess mich treiben in dieser pulsierenden Grossstadt, im Fluss des Lebens.
Ich liess mich treiben von der Welle des Lebens, liess mich zu einem sehr brühmten Berliner Teeladen B. führen. Auf dem Weg storperte ich zwei Male auf der Bürgersteig. Was bedeutet das, fragte ich mich. Sollte ich nun umdrehen? Was bedeutet das? In 10 Minuten stand ich vor einem schönen bunten Teeladen, wo Yixing Teekanne im Vordergrund stehen und chinesische TeeSpezialitäten ausgesprochen gepflegt werden. Inga wollte Pu Er verstehen. Dort standen viele interessante Pu Er Tee Exemplare im Regal. Was für ein Glück. Ich zeigte ihr, wie ein Pu Er aus wilder Pflückung aussehen sollte und wie ein nachfermentierter Pu Er "riecht". Herr B. fühlte sich wohl gestört, dass wir einfach die Teefladen anschauen und miteinander anstatt mit ihm sprechen. Er fragte, was er uns helfen könnte, denn normalerweise würden Kunde ihm ansprechen anstatt selbst zu sprechen. Ich merkte unsere unanständige Art und entschuldigte mich. Inga wollte einen Oolong haben. Sie fragte Herrn B., ob er einen Oolong empfehlen könnte. Er empfiehlte Alishan. Ich fragte, ob der Oolong aus Qingxin Oolong-Baum ist. Als eine Orientierung für einen Teeliebhaber wäre es wichtig zu wissen, wo und wie und was der Tee ist - dachte ich. Herr B. erwiderte, dass es nicht wichtig sei für einen Konsument, was für einen Oolongbaum es ist. Ich entschuldigte mich noch einmal und ging mit Inga aus dem Laden.
Eigentlich war noch Zeit da. Ich liess mich weiter treiben, wohin es sein sollte. Dann landete ich an der Invalidenstrasse 160. Ich schmecke als erstes das typische deutsche Teeladen-Aroma. Aber das freundliche Lächeln und viele schöne chinesische japanische Teetoys springen sofort in meine Augen. Auch dieser Teeladen in Berlin pflegt eine sehr aufwendige Teekultur. Ich wollte einen schönen Tasse Milanxiang probieren. Frau Mager schenkte mir eine Tasse Tee und das Magie des Tees strömt in den Raum. Wir begannen zu sprechen. Ihre Augen läuteten immer mehr als wir von Oolong sprachen, wie Oolong hergestellt werden, was für Problem Oolong nun hat und wie die Teekultur sich im Westen entwickeln sollen. Warum könnte man in Europa eine Flasche Merlot als Merlot anzuschreiben anstatt als Riesling? Warum sind Teehändler nicht bereit dem Kunde aufzuklären, was sie verkaufen?
Sie goss mir ihre Lieblingsteesorte auf und ich teile ihre Liebe zum Tee. Zwei Teeseele haben sich wohl gefunden, die leider wieder auseinandergehen sollten. Ja, in der absehbaren Zukunft, sagen wir, hoffentlich wieder zum Tee.
Es wurde immer dunkeler und ich fuhr weiter zum Flughafen. Hier sind die letzten Minuten und letzten Zeile vor meinem Abflug, was ich noch in dieser Stadt verbringe und schreibe.
Das Foto: Teesalon. Invalidenstrasse 160 10115 Berlin





Kommentare
Viele liebe Grüße! Suzanne
da ich Tan Kutays Beratungen durchaus schätze, würde mich interessieren, ob sein neuer Teeladen eine Web- Präsenz hat. Weißt Du da etwas?
Als reiner Internet- Teekäufer ( ich lebe schließlich in einer Tee- Wüste) kann ich den Berliner Teesalon durchaus empfehlen und habe andererseits auch schon den etwas mürrischen Herrn B. kennengelernt... ;-)
Im Praxis des Tees sieht man permanent eigene Fehler. Die Mut es anzuschauen und das Muster durchzubrechen habe ich nicht immer. Ich meine nicht, dass es mich furchtbar plagt - nur manchmal. Ich möchte nur eine Sache gut machen, wenn ich sie mache.
Jedenfalls freue ich mich sehr, dass wir zusammen die Reise ins Teeland begleiten können.
@Menglin: Es ist mir nicht klar mit was Du unzufrieden sein könntest, was das Treffen in Berlin angeht. Ich habe sehr viel mitgenommen! Und war es nicht schön wie in Gerhard richtig der Tee aufgewacht ist. So habe ich es jedefalls empfunden. Zunächst war er sehr ruhig und nach dem Mittagessen, sprudelten die Fragen.
Wenn man etwas gut macht, kann man es natürlich immer noch besser machen - denkt man selbst! In Wirklichkeit ist das "Besser" manchmal der Feind des "Guten" ... und Perfektionisten (zu denen ich auch gehöre) schaden oft nur sich selbst, wenn sie sich immer mehr abverlangen.
Deswegen kann ich Dir nur sagen: mach weiter wie bisher, Menglin, und sei auch mal zufrieden mit Dir selbst! Du hast es verdient!!! Und da bin ich sicher nicht die Einzige, die das denkt!
Viele liebe Grüße!
Darum merkte ich, dass ich mich noch verbessern muss und noch bewusster auf diese Situation eingehen sollte.
Alle Teilnehmer waren begeistert von Tee. Als Kursleiter war ich durchaus beeindruckt. Ich möchte mich hier herzlich bei Mario bedanken. Danke für sein Vertrauen und Danke für die Organisation!
Ich hoffe, die Teefreunde in Berlin wiederzusehen!