Ich beschreibe Tee intuitiv.
Ich nehme Menschen intuitiv wahr.

Wie beschreibe ich Sencha? Ich lass mich intuitiv von dem Duft verführen.

Flora und Blaka, zwei zarten schöne Blumen aus Taiwan und freuen sich mit mir die Welt des Düftes kennen zu lernen. In ihrer Welt ist es klar und heiter und träumen von duftenden Blumenwiese.

Meine Mutter war streng und warf mir oft vor, dass meine Schrifte hässlich sind. Wer keinen Pinsel richtig beherrscht, beherrscht nicht einmal sich selbst. Ich lernte mit grossen Mühe mit dem zu grossen Pinsel Striche für Sriche dem grossen Kalligraphen nachahmen. Es war zuerst Hass. Heute verstand ich es als eine Lebenshaltung. Das Leben steht aus Strichen zu Strichen. Wenn ein Strich nicht ganz gerade ist, korrigiert man einfach immer ein bisschen, immer nur ein bisschen bis die Strichen wieder gerade werden. Die schönesten Kalligraphie sind nie perfekte Vorlage, sondern Ausdrücke von vielen schrägen Strichen.
Das erste Striche, das ich lernte war, das Horizontale "______". Es war ein Ausdruck vom fliessenden ziehenden Wolken.
Den Duft des Senchas beschreibe ich gerne als der wolkenfreien Himmel - klärend, frisch und blau. Es war mir nie sympatisch. Der klare Himmel ist ausser hell und sonnig, was sonst? Nur als Schülerin freute ich mich, wenn wir Ausflüge hatten. Aber heute?
Unklar, unsauber und ambivalent wird das Leben für eine erwachsene Frau.
Den zwei jungen schönen Mädchen erzählte ich von Düfte, die nicht nur schön und erhellend duften, sondern auch die Tiefe eines Menschen eindringen. Ich vertrage deswegen kein Parfum an meinem Körper. Sie staunten mit grossen Augen. Die Vielschichtigkeit des Lebens wird genau von den Düfte widerspiegelt, wenn der Parfümer seinen Abgrund gut kennt.
Wenn Wolken von Wind verführt werden, wenn Wolken ziehen, ziehen sie in grossen Linien. Diese grossen Linie, die eigentlich endlos weiter verlaufen kann, erweitert unser Dasein. Der Raum kann unseren Körper begrenzen, aber die Zeit nicht. Ich übte als Kind Striche für Striche, ziehe weiter und weiter bis hier her. Das Ziehen vom Wolken geschieht oft langsam. Der Himmel wird plötzlich wie eine Sumie. Wenn das Papier und Pinsel übereinander einstimmen, dann entstehen leicht verschwommene Wasserflecken. Das Wasserflecken ziehen dem Strichen entlang wie die ziehenden Wolken. Es ist wie das Patina an einem Wand, erklärte man mir. Das Patina ist nie sauber und klar, aber wahrhaftig. Es sind Spuren in unserem Leben.

Es war einmal im Mai, ich erinnere mich an ein Gespräch mit Hubert, als wir uns über die Düfte der Städte unterhielten. Ich erzählte meinen jungen Freundinnen, dass eine Stadt auch einen Duft hat und dass der Duft uns in eine unbekannte Welt zieht!

Ein passende MusikStücke habe ich sogar zur Hand:
http://www.youtube.com/watch?v=BkoprPo2Zpk&feature=related