Vor einer halb geöffneten Tür, Du denkst, Du könntest von einer möglichen Landschaft ahnen. Die wirkliche Landschaft lässt sich nur bewundern, wenn Du diese halb offene Tür öffnest. Tee ist dieser Garten. Ein Garten, wo Menschen sich begegnen und versammeln, um gemeinsam etwas Wunderbares zu schaffen oder einmalige Momente miteinander zu teilen. Manchmal begegnet man auch nur sich selbst.
Normalerweise bin ich selten mittwochs im Geschäft. Weil ich zu erschöpft auf der Reise war, war ich zufällig am diesen Mittwoch da anstatt Dienstag. Am jenen Nachmittag versammelten sich paar Freunde in Shui Tang, um drei interessante Tees aus tiefen Wald Yunnans zu degustieren.
Als ich ins Geschäft kam, schwizte Men, weil drei Herren auf Tees warteten. Wahrscheinlich Ungeduldige. Der jüngere wollte Celadon-Tassen erwerben, dann hat der ältere Herr diese Tassen geschnappt. Während sie streiteten, wer diese Tassen kaufen durfte, schlug ich dem älteren Herrn vor, die matten Celadon anzuschauen. Er zweifelte an meinen Vorschlag: " glauben Sie, dass so etwas zu mir passen würde?" Ich nickte meinen Kopf und sagte sehr überzeugt, dass diese matten zurückhaltenden Tassen eine ruhige Eleganz ausstrahlen und genau dies würde ihm sehr passen. Nach einem geschwiegenen Moment fingen beiden Herren wieder an zu streiten, wer diese Tassen kaufen dürfen. Ich staunte aber versicherte, dass ich je ein Set an jedem verkaufen konnte. Dann wurden immer mehr Schönheiten von Shui Tang von diesem Herrn aus hohen Norden entdeckt und immer weniger loslassen konnte. Dann wollte er mit mir über den Preis verhandeln. Der Preis von einem Teil der Schönheiten lag etwas im 1300 CHF und er wollte 1000 bezahlen. Ich lächelte und sagte ihm sehr freundlich, dass er nicht alles kaufen musste. "Lassen Sie doch diese schönen Dinge weiter bei mir bleiben. Sie müssen ja gar nicht kaufen." Er staunte und staunte. "Das, was ich heute bei Ihnen sehe, habe ich noch nie in meinem Leben gesehen - Sie einschliesslich." Er zeigte auf mich. Ich war sprachlos über die Kommentare. Eigentlich gehöre ich nicht Shui Tang. Mir gehört aber der Laden! Ich bewegte mich nicht in der Verhandlung. Ich bin nicht stolz. Stolz-Sein bringt einen nicht weiter. Aber Würde möchte ich mir selbst und meinem Gegenüber einbringen. In Würde möchte ich leben.
Es war ein verrückter Mittwoch, als ob alle Sammler sich an diesen Tag abgemacht hätten. Es ist amüsant zu sehen, wie Menschen in Shui Tang ausflippen, nur weil man sich nah an Schönheit des Lebens fühlt. Aber machmal frage ich mich schon, was sie eigentlich sammeln!
Gegen Abend trafen wir mit Gleichgesinnten am Teetisch. Philipp rief zuerst mich an und sagte, dass sein Magen verdorben sei. Als er kam, war die Stimmung leicht eingedämmt. Als die Tees aufgegossen wurden, wurde es plötzlich auf einmal anders. Sein Magen tat nicht mehr weh und der Tee erhellte das Gemüt. Hanspeter seufzte, dass diese Tees gar nicht für den Genuss sein... "Menglin, sie sind für die spirituellen Momente. Jenseits von dem, was wir kennen!" "Wie alt sind diese Bäume?" "Sehr alt. Sehr wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert." Hanspeter fing an zu träumen. "Wie wäre es, wenn- "
Wenn wir diesen Tee trinken, eine Geschichte aus dem Tang-Dynastie anhören, zu lauschen, was auf dieser Seidenstrasse stattgefunden hat und dabei von einem wunderbaren Stück von Musik begleitet bekommen... Das Leben ist fast perfekt... Nicht wahr?
Beim essen sagte Hanspeter zu mir, dass ich ein Gestirn in Zürich sei... Ein Gestirn jenseits vom Markt. Das, was heute aufgegossen und erlebt wurde, sei absolut und nicht vergleichbar. Absolut und unvergleichbar sind wir alle. Im Tee begegnen wir das einzigartige und würdige Ich. Und aus diesem Bewusstsein können wunderbare Zusammenkunft und werke geschaffen werden!